Über einen Kommentar zu Lebensfehler… (auch für Nicht-YogInis geeignet)

Jetzt möchte ich doch einen Beitrag schreiben, inspiriert von einem Kommentar zum Artikel „Lebensfehler“. Darin versuche ich, das Thema „Lebensfehler“ aus yogischer Sicht zu bearbeiten.

Dieser ganze Blog wendet sich an Yogaübende, an Yogainteressierte. Er will yogische Einstellung, yogische Methoden, yogisches Verständnis erläutern, untersuchen, anregen. Mir ist dabei vollkommen klar, dass die meisten Menschen mit den meisten Aussagen nicht übereinstimmen werden. Das ist o.k. Natürlich sind wir im öffentlichen Raum, und jeder kann die Texte dieses Blogs finden und sich so seine eigenen Gedanken dazu machen.

Ich verstehe sehr gut, dass jemand, der diese Beträge liest, aber Yoga nicht wirklich praktiziert, (also, Yogapraxis ist hier nicht das Üben von körperlichen Verrenkungen), vieles, was hier zu lesen ist, nicht wirklich verstehen oder gut heißen kann. Daher vielleicht noch einmal ein Text, der auch für Menschen, die Yoga nicht üben, verständlich sein kann.

Yoga ist ein geistiger Weg, der Menschen hilft, sich selbst jenseits von Denken und Fühlen, von Handeln und von Persönlichkeit zu erleben und zu begreifen. Yoga lehrt, dass es die Pflicht eines Menschen ist, herauszufinden, wer er (und das „er“ bezieht sich auf das grammatische Geschlecht von „Mensch“ und hat nichts mit Mann und Frau zu tun) wirklich ist.

Naja, dazu muss ich doch nicht Yoga üben. Wenn dieser Gedanke jetzt bei dir aufsteigt, dann lies bitte den vorherigen Abschnitt noch einmal oder gar mehrmals. „Normale“ Menschen verstehen sich NUR als psycho-soziale Entität. Im Yoga würde man diese Selbstsicht als Auslöser für sehr viel des Leids verstehen, das Menschen erfahren. Nur weil die meisten Menschen sich mit dieser Entität identifizieren, wird diese Identifikation nicht wahrer.

Zu theoretisch? Ja, das mag wohl sein. Aber mit der Praxis wird es auch praktischer.

Aber etwas Anderes ist vielleicht leichter zu begreifen. Solange du Opfer deiner eigenen Psyche bist, solange du den INHALTEN deiner Gedanken und Gefühlen hilflos ausgeliefert bist, hast du keine Chance, in diesem Leben dauerhaft glücklich zu sein. Und jetzt bitte nicht anfangen mit: Aber macht nicht erst das Erleben von Unglück Menschen glücklich? Ich habe noch niemanden getroffen, der mir sagte: Jetzt bin ich schon seit zwei Wochen glücklich, ich hoffe, dass mir sehr bald wieder etwas schreckliches passiert, damit ich auch wieder unglücklich sein kann und mich ausbalancieren kann. Nein, Menschen können ein ganzes Leben glücklich sein.

Dass es so wenige sind, liegt an etwas anderem. Wenn du lernen könntest (oh je, klingt vielleicht noch theoretischer), die Aktivitäten deiner Psyche, die Gedanken und Gefühle, nicht nur als Inhalte, sondern als Energie zu erleben, könntest du verstehen, dass du keineswegs jeden Gedanken und jedes Gefühl, das gerade in dir hochkommt, haben musst. Die Inhaltsebene von Gedanken und Gefühlen nimmt dich viel zu sehr gefangen, als dass du eine innere Distanz ihr gegenüber empfinden kannst.

Zwischen Gedankeninhalten und Gedankenenergie (gilt genauso für Gefühle) unterscheiden zu können, lernt man in der Meditation, die nur unnütze Gedanken (außer dem Mantra) kennt. Wer die Kunst der Meditation mehr und mehr erlernt, erfährt Gedanken und Gefühle viel mehr als energetischen Zustand als als Inhalte, die wir dann sofort als „gefällt mir“/“gefällt mir nicht“ einordnen.

Wer also verstehen möchte, was ich da schreibe, muss meditieren lernen. Und auch, wenn dir die Meditation beibringt, wie meditieren geht, gibt es doch viele Konzepte, die man kennen und verstehen sollte, wenn man Meditation üben will.

Wenn es dir möglich wird, Gedanken und Gefühle zu HABEN oder nicht zu haben, dann kannst du mit Fehlern, schlechten Erfahrungen und Unglück frei (freier) umgehen: Du kannst Gedanken und Gefühle, die in dir dazu gespeichert sind, immer wieder hochholen oder vergessen. Es liegt an dir, du hast dann diese Freiheit.

Ohne meditieren zu können, kannst du das nicht lernen. Es geht nicht.

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