Warum die meisten Psycho-Eso-Methoden so wenig Wirkung zeigen

Immer wieder lesen und höre ich von Methoden und Techniken, die gelehrt und angepriesen werden. Manche klingen wirklich spannend, und man kann ahnen, dass sich da Menschen wirklich etwas haben einfallen lassen.

Wenn man einsieht, dass man an der allgemeinen Lage nicht allzu viel ändern kann, ist es durchaus legitim, zu versuchen, Menschen zu unterstützen, mit der Situation besser zurechtzukommen. Wenn im Arbeitsumfeld immer mehr von immer weniger Menschen zur gleichen Zeit erledigt werden soll, dann ist klar, dass der Mensch eine Art Zitrone-in-der Zitronenpresse-Dasein führt.

So richtig aussteigen kann man nicht, wenn man hier leben will. Also stellt sich die Frage, wie können wir uns in so einer Situation behelfen. Die Medizin kümmert sich um die Ergebnisse dieser Situation, also dann, wenn die Zitrone schon ziemlich ausgepresst ist, wenn Krankheiten auftreten. Die Psychologie, die aus der Medizin hervorgegangen ist, arbeitet ähnlich pathologisch.

Die westliche Esoterik, die versucht, Menschen mit einer Mischung aus östlicher Weisheit und westlicher Wissenschaft zu unterstützen, entwickelt Techniken, die schon vor der Grenze zur Pathologie helfen sollen.

Und so entstehen diese oben erwähnten Methoden, so zum Beispiel: „Wenn du morgen in die Arbeit gehst, stelle dir vor, du wärst dort von Freundlichkeit und Liebe eingehüllt“ oder „Wenn du am Abend zu Bett gehst (eine Methode zur Einschlafhilfe), stell dir vor, alle Spannungen würden von dir abfallen und du freust dich auf den nächsten, guten Morgen, der voller Versprechen auf Glück für dich sein wird.“

Ich könnte das lange so weiter schreiben. Je nach deiner Neigung würdest du manches davon wunderbar finden, manches etwas abgehoben, etc. Viele Lehrende auf diesem Gebiet merken ja sehr wohl, dass die Psyche, das Denken, der Verstand, ganz gleich, wie das bezeichnen will, entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden hat.

Warum funktioniert das nicht so gut? Der Grund dafür ist so einfach, dass ich Schwierigkeiten habe, zu verstehen, warum das nicht allen klar ist. Vielleicht kann man das einfach schlechte als Marke Eigenbau vermarkten, weil es so generell und schlicht daher kommt.

Solange ich doch nur sehr schwer Einfluss nehmen kann, was da in meiner Psyche, meinem Verstand an Gedanken und Gefühlen abläuft, wie soll ich dann in der Lage sein, irgendeine Vorstellung, die nicht prägungsbedingt in mir ihre Runden dreht, lange genug aufrechtzuerhalten, dass sie die unwillkürlichen Gedanken und Gefühle verdrängen kann?

Nochmals, es ist ganz einfach: yogascitta vrtti nirodhah – Yoga ist die Beendigung der unwillkürlichen Bewegungen des Geistes (vrtti heißt Wellen, Woge, diese Bewegungen im der Psyche, die ständig in ihr hin und her und rauf und runter schwappen). Gleich am Anfang der Yogasutras steht das.

Ganz einfach. Wer das nicht kann, heißt es weiter, lebt im (leidvollen) Auf und Ab dieser Wellenbewegungen. Alle diese Lehrer wollen dir suggerieren, dass du Schritt zwei ohne Schritt eins machen kannst. Warum nur? Vielleicht ist Schritt eins einfach nicht wirklich glamourös. Einfach nur regelmäßige Übung von etwas in der Sache sehr Einfachen, aber eben langwierigen.

Mantrawiederholung, Meditation, immer wieder. Immer wieder auch das Erlebnis, dass es noch nicht geht, auch nach Jahren nicht, dass man Rückfälle hat. Man muss das Verständniswerkzeug entwickeln, um diesen Prozess lange genug zu überstehen, dass er Erfolge zeigt.

Leider nützt es da gar nichts, mit irgendwelchen vollmundigen, spannenden, liebevollen, barmherzigen, starken Affirmationen zu arbeiten, solange deine Prägungen das Gesamtfeld deiner Psyche uneingeschränkt beherrschen, mit all der Macht ihrer Begründungen und Erläuterungen und Berechtigungen.

Wenn du nicht das richtige Verständnis hast, das dir die Begründungen liefert, um auf diesem einfachen Lernweg zu bleiben, werden die machtvollen Prägungen, die übrigens immer alt sind und je älter je machtvoller, dich davon abhalten, das dir das Mantra zu eigen zu machen und Meditation so in deinem Leben zu verankern, wie Atmen oder Zähneputzen, was du ja auch sicher wieder machen wirst, auch wenn du es einmal vergessen hast. Und dein Verstand wird dir dann nicht einreden, dass Zähneputzen halt nichts für dich ist oder dass du es jetzt doch nicht mehr machen kannst. Du machst es, auch wenn du keine Lust hast. Du kommst nicht auf die Idee zu sagen, „also ich muss mich halt auch einfach danach fühlen, so erzwingen kann ich das nicht“, oder?

Glaub mir, das Mantra und die Meditation sind viel viel wichtiger für dein Wohlbefinden als Zähneputzen. 🙂 Und wenn du das dann einigermaßen kannst, dann kannst du all diese wundervollen Affirmationen, Traumreisen, Traumbilder, Umprogrammierungen, und was sonst noch für leckere Begriffe die Runde machen, wirkungsvoll für dich einsetzen.

Aber ohne yogascitta vrtti nirodhah geht einfach gar nichts in dieser Richtung, da gehen nur diese wertlosen, haltlosen Prägungen.

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