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Über vamdev

Uwe Vamdev Franz, born in 1955, has been teaching yoga since he was 21, all over Europe, in India and the US. He has brought yoga to health insurance companies, to large corporations, colleges and hospitals. He has worked with children, pregnant women, the elderly and many more diverse groups of people. He studied the ancient language of the yoga texts, Sanskrit, in India and Germany for over 10 years. He has a degree in Logic, nutrition and Indian sciences. He was also trained in the classical Indian song tradition and plays several traditional Indian instruments. He was trained as a yoga teacher in India and the US. He also studied ayurveda, the traditional Indian form of medicine. Uwe Vamdev has trained yoga teachers in India, Switzerland (the former president of the Swiss Yoga Society is his student) and Germany. He has given classes on such varied subjects as »the Body-Mind-Yoga«, »Music and Movement in Yoga«, »The Yoga of Partnerships«, and many more. His expertise encompasses not only the classical postures of Hatha Yoga and the ancient healing tradition of India (Ayurveda) with its nutritional implications but also vegetarian cooking and nutrition, yoga psychology, and mantra chanting. Uwe Vamdev has published a number of articles internationally, in German for Yoga Aktuell, the equivalent of The Yoga Journal in the German language, in Switzerland for Yoga, and in Atlanta for Aquarius Magazine. He teaches a gentle form of yoga as described in the classical yogic texts.

Was erwartest du eigentlich?!

Entschuldige bitte diesen etwas provokanten Titel. Aber er formuliert eine sehr gute Frage für Menschen, die einen geistigen Weg gehen. Was erwarte ich?

Wenn das Leben zwickt und zwackt, wenn die Dinge nicht so laufen, wie du es gerne hättest, dann suchen viele Menschen Auswege. Sie werden hellhörig in Bezug auf Lehren, Methoden, Ansätze, die angeblich helfen, die Umstände, die so unangenehm sind, zu ändern.

Also besuchen sie Workshops, lesen Bücher mit vollmundigen Versprechungen, schicken ihre Wünschen mit putzigen Ritualen ans Universum, in der Erwartung, dass sich Die (wer ist das bitte? Ein hochrangig besetzter Universaler Petitionsausschuss?) darum kümmern, dass es besser wird im eigenen Leben. Sie meinen allen Ernstes, dass sie mit präziserem Wünschen, mit genauerer Zielvorgabe, mit wohl durchdachten Formulierungen ihr Leben so verändern können, dass es sich endlich gut und glücklich und erfüllt anfühlt. Na denn!

Dieser Glaube begleitet auch Menschen, die ernsthaft auf dem Yogaweg sind, die also nicht nur ihre wöchentlichen Verrenkungen inklusive Atemverquirlung durchführen. Die enorme Aussicht auf einen Zustand der Erleuchtung, der dir die Möglichkeit gibt, aus der Bittstellerposition zur Chefposition aufzurücken, ist fast schon berauschend. Ich bin Shiva, also, dann soll sich mein Leben gefälligst auch so anfühlen: So viel arbeiten, wie ich will (Shiva hat keinen Arbeitgeber!), mehr als genug besitzen, dass alles zu beschaffen ist, dann genug Macht zu haben, um alle schlimmen Dinge dieser Welt abzustellen. So nach dem Motto: Wenn ich Shiva bin, dann würde ich dafür sorgen, dass die Welt viel besser funktionieren würde.

Dann macht man sich an die Arbeit: Mantras singen, damit endlich alle Wünsche in Erfüllung gehen. Noch dazu, wenn doch auch der Guru Mantras zur Verfügung gestellt hat, die wunscherfüllend sein sollen! Es ist doch klar, mag man denken, dass die Gurus auch wollen, dass unsere Wünsche in Erfüllung gehen. „Mögen alle Wünsche in Erfüllung gehen“, heißt es in den Upanishads. „Dann liege ich doch“, mag man denken, „genau richtig, wenn ich mich mit aller Macht darum kümmere, dass endlich auch mal meine Wünsche in Erfüllung gehen, dass die Sachen endlich so laufen, wie ich weiß, dass sie laufen sollten.“

Mir ist diese Erwartungshaltung sehr vertraut, weil ich, wenn auch nur mir selbst gegenüber beschämt zugegeben, die Instrumente, die uns unser Guru so liebevoll geschenkt hat, für die Erfüllung wichtiger Wünsche einsetzen wollte. Der Erfolg meiner intensiven Praxis war aber überschaubar. Es gingen Wünsche in Erfüllung, andere gar nicht. Eine deutliche Geschwindigkeitsübertretung blieb ungeahndet, aber andere, mir viel dringlichere Ansinnen blieben völlig unbeantwortet. Bei wieder anderen wurde ich mit viel Nachdruck gebeten, sie aufzugeben.

Gottseidank gibt es die Kraft der Gnade auf diesem Weg! Wie verloren wären Yogaübende sonst! Dass dringende Wünsche nicht in Erfüllung gingen, führte bei mir nicht zu tiefen Zweifeln am Guru oder am Weg. Was kann ich sagen? Es war so. Aber ich empfand auch ein deutliches Unbehagen, wenn ich versuchte, mit den Methoden, die mir mein Guru gegeben hatte, irgendwelche Wünsche „durchzudrücken“. Ich ahnte schon, dass ich da auf dem Holzweg war. Mit viel Nachsinnen, mit viel Studium (Lesen der Yogatexte, der Werke meiner Meister und Nachdenken über das Gelesene) verstärkte sich die Vermutung, dass diese Art von Wunscherfüllung (siehe oben) wohl nicht befreiend sein kann.

Andere Wünsche machten sich breit: „Möge ich alles, wirklich alles, was in meinem Leben passiert, als DEIN Geschenk sehen können.“ „Möge ich DICH in jedem Atemzug, in jedem Gefühl, in jedem Gedanken sehen können“, und ähnliches mehr. Mir wurde nicht nur theoretisch klar, dass etwas hinter all den zu erfüllenden Hoffnungen steckte.

Ich wollte jetzt unbedingt direkt, ohne über den Umweg von angenehmen Lebenssituationen, von erfüllten Wünschen, Zufriedenheit erfahren und dachte darüber nach, wie das gehen könnte. Wunschlos glücklich sein, was für ein herrlicher Ausdruck in dieser Sprache!

Und es wurde klarer und klarer: Shivasein ist erst möglich (entschuldige bitte, falls das recht platt klingt), wenn alle Wünsche erloschen sind. Wenn also die Schriften um die Erfüllung aller Wünsche bitten, dann nur, weil auf dieser intensiven Suche nach deren Erfüllung die Ahnung aufkeimt, dass die Sehnsucht nach Wunscherfüllung eine Sackgasse ist. Denn auch wenn das in allen mir bekannten Yogatexten gelehrt wird, ganz tief drinnen (zumindest erscheint das am Anfang als sehr tief drinnen zu sein), hoffst du doch, dass es klappt mit der Gesundheit (völlig absurde Vorstellung!), mit dem Wohlstand, der Familie, der Partnerschaft, der erfüllenden Tätigkeit.

Viele sogenannte Gurus in Indien lassen sich zu solchen Anlaufstationen machen, zu solch aussichtslosen Hoffnungsankern. Und ihre Anhänger lieben es, Gurujis Erfolgsmeldungen zu verbreiten: Heilungen, notwendige finanzielle Stabilität, gute Zeugnisse, usw. Aber wirkliche Gurus würden ihre Schüler nicht in diesem Irrtum verweilen lassen. Sie mögen Wünsche erfüllen, aber nicht so, wie wir das wollen.

…damit wir endlich wollen können, was sie wirklich zu geben haben. Freiheit ohne Grund, Zufriedenheit ohne Ursache, Dankbarkeit für jede Sekunde deines Daseins, Glücklichsein als dauerhafte Praxis.

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Das Problem sind NIE die Emotionen!

Ich habe ja zwei kleine Jungs hier zuhause, die mir eindrücklich die folgende yogische Weisheit lehren: Das Problem sind NIE die Emotionen.

Ihre Emotionen sind so wechselhaft, dass ich mit meiner manchmal notwendig erscheinenden Schlichterarbeit nicht nachkomme. Bis ich mir überlegt habe, wie ich ihren Streit jetzt wieder auf ein gutes Gleis bringen könnte, sind sie schon längst weiter und bei der nächsten Emotion angelangt. Genau, wie mein Meister das immer wieder erklärte. Emotionen sind viel zu flüchtig, um sich ihnen ausführlich zu widmen. Denn wenn du bei einer ansetzen willst, sind schon wieder etliche andere aufgetaucht in deiner Psyche.

Seht ihr, es ist wirklich einfach: Es sind nie die Emotionen. Was uns auf längere Zeit, also mehr als ein paar Sekunden, so beeindruckt, sind nicht die Emotionen, sondern unsere innere „Gespräche“ über sie. Wenn du also jemandem erzählst, dass es dir schlecht geht, dass du traurig ist, dass du am Boden bist, etc., dann sind das nicht Gefühle, die dich da bedrängen und dir dein Glück rauben. Es sind die Begründungen und inneren Monologe, mit denen du deine Gefühle erklärst und berechtigst.

Vielleicht meinst du, das ist doch wohl eher eine Argumentation um Worte, nicht so sehr um Inhalte. In der Yogatradition Nordindiens, dem Kaschmir Schiwaismus, gibt es einen grundlegenden Text, die Siva Sutras. Gleich am Anfang gibt es einen Aphorismus, der besagt, dass aus dem Nicht-Verstehen der Kraft des Klangs, die dem Alphabet innewohnt, die Grundlage für begrenztes Wissen liegt. Worte haben große Kraft in unserem Leben. Das scheint mir in allen Sprachen so zu sein. Schon kleine Veränderungen im Klang eines Wortes können die Bedeutung grundlegend ändern. „Biete“ und „bitte“, „Tag“ und „Tal“, etc., der Beispiele gibt es viele.

Wenn ich denke, dass Emotionalität Probleme bereiten kann, dann komme ich zu anderen Herangehensweisen als wenn ich verstehe, dass das, was ich Emotion nenne, in erster Linie Begründungen und Erklärungen der sehr flüchtigen Emotionen sind, die ich erlebe. Ich könnte dann nämlich lernen, den inneren Dialog über das, was ich fühle, zu erkennen und später dann auch zu beeinflussen.

Ich könnte mir vorstellen, dass das auf Grund meiner Wortwahl, etwas hölzern und nicht so richtig spontan und natürlich bei dir ankommt. Worte wie „beeinflussen“ oder gar „kontrollieren“, „bewusst ändern“, etc. hören sich beherrscht und vielleicht gefühlskalt und sogar verdrängend an. Aber das ist ganz und gar nicht der Fall. Wenn deine Emotionalität oder, viel genauer, deine Berechtigungen im Hintergrund deiner Emotionen in dir ihr Eigenleben führen, wirst du nie gefühlsmäßig entspannt sein können. Das bedeutet, dass du immer auf der Hut bist, dass die Pferde nicht in dir durchgehen.

Jemand, der durch die yogische Praxis von Mantrawiederholung und Meditation seine inneren Dialoge hören kann, der lernt mit der Zeit, das Skript dieser Erklärungen und Berechtigungen umschreiben zu können. Diese Fähigkeit zu erwerben, mag etwas dauern und erfordert Wissen und Geduld. Aber stell dir vor, du könntest das. Das würde bedeuten, dass du Emotionalität nicht mehr nur mit angezogener Handbremse zulassen müsstest. Das Gegenteil eben von unterdrückten Gefühlen und einem emotionalen Eiertanz, damit es ja nicht zu viel oder unbeherrschbar wird.

Wie oft habe ich von Menschen gehört, dass sie vorsichtig geworden sind, sich emotional einzulassen. „Ich bin zu oft enttäuscht worden“, „ich muss mich schützen“, etc. Ist das nicht Gefangenschaft? Kann ich mit so einer Einstellung je erhoffen, frei und glücklich zu sein? Oft entschuldigen Menschen, die in dieser Art von Gefangenschaft leben, ihre Unfähigkeit, ihre eigenen Emotionsbegründungen zu verwandeln, als „ihr Herz auf der Zunge“ tragend. Sie meinen, dass sie halt ehrlich sind und direkt, einfach kein Blatt vor den Mund nehmen und dass nicht jeder mit dieser Art zurechtkommt.

Was für ein Unsinn! Sobald du den Unterschied zwischen einem Gefühl (Wut, Freude, Zuneigung, Angst, etc.) und seinen in deiner Psyche erzeugten Berechtigungen für diese Gefühle kennst, merkst du, dass du sehr wohl fühlen kannst, ohne dabei Opfer dieser Gefühle zu werden. Nochmals, es sollte klar sein, dass das wirklich seine Zeit braucht. Es ist wie mit einer körperlichen Fehlhaltung, die du dir abgewöhnen willst: Auch wenn du gut verstanden hast, was du ändern musst, auch wenn dir das jemand genau gezeigt hast, was und wie du das ändern musst, brauchst du trotzdem einige Zeit, um diese Fehlhaltung zu korrigieren. Es braucht Geduld und für diese Geduld braucht es Wissen und um dieses Wissen zu erlangen, musst du immer wieder verstehen lernen, dass du nicht Opfer deiner Gefühle bist, sondern der Geschichten, die meist ganz unbemerkt von dir (anfangs jedenfalls) dir deine eigene Psyche erzählt und mit vielen klaren Begründungen erklärt.

Das erscheint dir jetzt etwas zu mühsam? Gut, dann kannst du ja abwarten, bis es das nächste Mal passiert, dass du Opfer deiner eigenen „Emotionen“ wirst. Und glaube dann nicht, dass in dieser Situation das hier Gelesene oder woanders Gehörte gleich zur Stelle sein wird und dein Ausgeliefertsein beenden wird. Jetzt musst du lernen, verstehen und üben, damit du das übermorgen kannst

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So richtig exotisch

So richtig exotisch ist heute, wer auf dem Yogaweg einen Guru hat. Das ist so, als wäre es irgendwann einmal exotisch, eine Mutter oder einen Vater gehabt zu haben. Was für eine unglaubliche Geschichte.

Überall in den Yogatexten wird der Guru und seine Bedeutung erklärt. Seine Notwendigkeit auf dem Yogaweg ist von je her unbestritten – in Indien. Hier im Westen hat man alles von diesem großartigen Weg abgezwackt, was der „Selbstbestimmtheit“ des Übenden im Wege ist, was nur irgendwie nach Hingabe, etc. roch, oder nach Meister und so hat man als Yogi und Yogini keinen Bedarf mehr nach einem Guru.

Einmal sagte mir jemand, dass er „einfach nicht der Typ von Mensch sein, der mit Gurus was am Hut hat“. Eine andere Yogalehrerin erzählte mir bei einem Abendessen beim Inder :), dass Gott ihr Guru sei (zum Glück wird der ihr nicht dazwischenfunken). Oder noch eine gute Ausrede war: „Ich habe Familie und einen guten Beruf hier, ich werde also nicht nach Indien pilgern, nur um dort beim Guru zu leben“. Beispiele dieser Art könnte ich noch sehr viele aufzählen.

Ich habe in diesem Blog schon viele Beiträge über die Notwendigkeit geschrieben, auf diesem Weg Schüler eines Gurus zu sein. Heute geht es mir um etwas anderes.

Das Problem, das wir Menschen im Westen haben, wenn wir uns dann doch durchgerungen haben oder wenn unsere Psyche aus unerdenklichen Gründen uns doch Schüler eines Gurus sein lässt, ist, dass wir nicht wirklich Erfahrung im Umgang mit Gurus haben, ganz abgesehen davon, dass wir auch nicht wissen, was einen Guru ausmacht.

Aber sagen wir einmal, du hast die Hauptkriterien in dem ersten Teil der Kularnava Tantra gelesen, in dem die Charakteristika eines Gurus beschrieben werden, oder auch die Guru Gita studiert, die beschreibt, wer und was der Guru ist. Dann ist es nicht so einfach, zu wissen, zu verstehen, wie das ist, einen Guru anzunehmen, zu tun, was der Guru sagt, Schüler zu sein.

Vielfach habe ich das um meinen Guru erlebt, selbstverständlich bei mir selbst zu allererst. Auf einen Schüler übt ein Guru eine magische Anziehung aus. Ja, das ist so, ob uns das jetzt passt oder nicht. Und nicht passen tut es ja sowieso nur denen, die keinen Guru annehmen können.

Jeder hat seinen eigene Beziehung zum Guru, und die Guru Gita und viele andere Texte geben auch Hinweise, wie man zu einem Guru sein sollte. Wenn du wirklich einmal entdeckt hast, wie dir dein Guru in deinem Leben geholfen hat, dann hast du das starke Bedürfnis, zurückzugeben, dich zu bedanken. In Indien ist ziemlich klar, was man da macht und wie das geht. Hier im Westen ist das überhaupt nicht klar.

Menschen haben zu mir gesagt, dass in der Guru Gita steht, das ist der Text, der in meiner Tradition jeden Morgen gesungen wird, dass man dem Guru alles geben sollte, einfach alles. Das empört viele Menschen. Aber wenn man dann genauer hinsieht, heißt es, dass man dem Guru alles weihen sollte. Und weihen, was ist das? Ein so altertümlich anmutendes Wort, dass die meisten Menschen gar nicht mehr wissen, was das ist und wie das geht.

Wie verhalte ich mich richtig? Was ich sicher weiß, dass die physische Nähe zum lebenden Guru eine große Herausforderung ist. Man beginnt zu vergessen, dass man mit seinem Guru ist und nicht nur mit jemandem, den man ganz gut kennt. Man verliert die heilsame Ehrfurcht, hat Diskussionen mit dem Guru wie man sie mit anderen Menschen hat. In der Guru Gita steht, dass man nie eine Diskussion mit dem Guru gewinnen sollte. (Alle, die das lesen und sich zu denen zählen, die keine ich-brauch-einen-Guru-Typen sind, sollten jetzt einfach weiterlesen, ohne sich erschüttert abzuwenden).

Ich selbst hatte nur kurz die Gelegenheit, nahe mit meinem Guru zu sein, hautnah sozusagen. Es war magisch, unglaublich. Ist mir immer noch frisch in Erinnerung, obwohl das schon viele Jahre her ist. Aber wenn man das täglich haben kann, dann braucht es einen sehr starken Verstand, um die Schuhe des Gurus nicht einfach zu tragen, statt sie zu verehren, wenn doch der Guru noch sagt, trag sie. (siehe „Spiel des Bewusstseins“, die spirituelle Autobiografie meines Gurus).

Bei manchen entsteht sogar Eifersucht um die Aufmerksamkeit des Gurus. Man hat sich so an die Nähe zu seinem Körper gewöhnt, dass man das als normal empfindet. Manche Gurus haben Familie, in Indien war das in manchen Traditionen sogar ein wichtiges Merkmal des Gurus, dass er sich im normalen Leben zurechtfand. Und wenn Gurus Familien hatten, dann hatten sie auch auf dieser Welt ihr Schicksal damit.

Sie hatten Kinder, und der erleuchtete König Janaka hatte angeblich 700 Königinnen, die mit ihm am Hof lebten. Der Weise Yajnavalkya hatte zumindest zwei Frauen, mit denen er in einem Haushalt lebte.

Jetzt stell dir vor, du hättest so einen Guru. Und du missverstehst den Guru immer noch als seinen Körper, was ja den meisten so geht. Aber dann kommst du, was dein Verhalten betrifft, eventuell zu falschen Schlüssen. Und wiederum kann eine scheinbare Nähe deine Schülerrolle verwischen. So nah bei einem lebenden Guru zu sein, ist meiner Meinung nach eine große, schicksalshafte Herausforderung.

Wie du vielleicht schon erahnst, ist das alles nicht so einfach. Der Guru ist für den Schüler immer der Guru, ganz egal, was er macht und wie er sich benimmt. Das ist ja das Problem mit der Suche nach einem Guru, und vor allem seiner Überprüfung durch den Schüler. Wenn du da nicht sorgfältig warst, dann kannst du in ganz komische Geschichten hineingeraten. Oh je. Wir hier in unserer Kultur sind da einfach sehr, sehr naiv und unerfahren.

Die Guru Gita hilft, zu verstehen, wie du dich verhalten sollst, was das für eine Beziehung ist. Eins muss klar sein: Sie ist wie keine andere in deinem Leben. Und kluge Schüler des Gurus stellen den Guru allein an die erste Stelle in ihrem Leben.

Aber das ist ja ein perfektes Rezept für kultische Hörigkeit, magst du jetzt denken. Nein, das stimmt so nicht. Diese Stellenausschreibung für den Guru ist eine innere Stelle. Niemand muss je davon wissen. Aber es wird dir helfen, diese Beziehung so zu leben, dass sie dich befreit.

Wenn du bei deinem Guru bist und dir ein „nein, das stimmt nicht“ über die Lippen kommt, dann weißt du noch nicht, wie das geht. Wenn du bei deinem Guru bist und neugierig in seinem Leben schmökerst, dann weißt du noch nicht, wie das geht. Es ist verständlich, das Schüler Sehnsucht haben nach Neuigkeiten über ihren Guru, aber dein Verstand muss hellwach bleiben dabei, damit diese Sehnsucht nicht in Tratsch und Respektlosigkeit mündet.

Dein Guru ist nicht dein Lebensberater, er ist dein Befreiungsgarant, das ist etwas anderes. Dein Guru ist nicht dein Wahrsager, auch wenn er manchmal etwas über deine Zukunft sagt. Der Guru ist nicht dein Partnerschaftscoach, auch wenn er viele Tipps für dich parat hat, in dieser Richtung. Der Guru ist auch nicht eine wandelnde Yoga-Enzyklopädie, auch wenn er die Schriften kennt und zitiert.

Verstehst du, was ich meine? Morgen wird dieser Körper 63 Jahre alt, kaum zu glauben, dass er so lange durchgehalten hat. Heute weiß ich, dass es ein Geschenk ist, ein unglaubliches Geschenk, das Glück gehabt zu haben, einen Guru im Leben zu haben, schon so lange Zeit, über so viele Lebensberge und -täler hinweg. Jeden Tag bin ich dankbar dafür. Schon allein dafür empfinde ich mein (für mich als sehr skurril empfundenes) Leben lebenswert, jedes Jahr, jeden Tag, jede Sekunde.

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Warum die meisten Psycho-Eso-Methoden so wenig Wirkung zeigen

Immer wieder lesen und höre ich von Methoden und Techniken, die gelehrt und angepriesen werden. Manche klingen wirklich spannend, und man kann ahnen, dass sich da Menschen wirklich etwas haben einfallen lassen.

Wenn man einsieht, dass man an der allgemeinen Lage nicht allzu viel ändern kann, ist es durchaus legitim, zu versuchen, Menschen zu unterstützen, mit der Situation besser zurechtzukommen. Wenn im Arbeitsumfeld immer mehr von immer weniger Menschen zur gleichen Zeit erledigt werden soll, dann ist klar, dass der Mensch eine Art Zitrone-in-der Zitronenpresse-Dasein führt.

So richtig aussteigen kann man nicht, wenn man hier leben will. Also stellt sich die Frage, wie können wir uns in so einer Situation behelfen. Die Medizin kümmert sich um die Ergebnisse dieser Situation, also dann, wenn die Zitrone schon ziemlich ausgepresst ist, wenn Krankheiten auftreten. Die Psychologie, die aus der Medizin hervorgegangen ist, arbeitet ähnlich pathologisch.

Die westliche Esoterik, die versucht, Menschen mit einer Mischung aus östlicher Weisheit und westlicher Wissenschaft zu unterstützen, entwickelt Techniken, die schon vor der Grenze zur Pathologie helfen sollen.

Und so entstehen diese oben erwähnten Methoden, so zum Beispiel: „Wenn du morgen in die Arbeit gehst, stelle dir vor, du wärst dort von Freundlichkeit und Liebe eingehüllt“ oder „Wenn du am Abend zu Bett gehst (eine Methode zur Einschlafhilfe), stell dir vor, alle Spannungen würden von dir abfallen und du freust dich auf den nächsten, guten Morgen, der voller Versprechen auf Glück für dich sein wird.“

Ich könnte das lange so weiter schreiben. Je nach deiner Neigung würdest du manches davon wunderbar finden, manches etwas abgehoben, etc. Viele Lehrende auf diesem Gebiet merken ja sehr wohl, dass die Psyche, das Denken, der Verstand, ganz gleich, wie das bezeichnen will, entscheidenden Einfluss auf unser Wohlbefinden hat.

Warum funktioniert das nicht so gut? Der Grund dafür ist so einfach, dass ich Schwierigkeiten habe, zu verstehen, warum das nicht allen klar ist. Vielleicht kann man das einfach schlechte als Marke Eigenbau vermarkten, weil es so generell und schlicht daher kommt.

Solange ich doch nur sehr schwer Einfluss nehmen kann, was da in meiner Psyche, meinem Verstand an Gedanken und Gefühlen abläuft, wie soll ich dann in der Lage sein, irgendeine Vorstellung, die nicht prägungsbedingt in mir ihre Runden dreht, lange genug aufrechtzuerhalten, dass sie die unwillkürlichen Gedanken und Gefühle verdrängen kann?

Nochmals, es ist ganz einfach: yogascitta vrtti nirodhah – Yoga ist die Beendigung der unwillkürlichen Bewegungen des Geistes (vrtti heißt Wellen, Woge, diese Bewegungen im der Psyche, die ständig in ihr hin und her und rauf und runter schwappen). Gleich am Anfang der Yogasutras steht das.

Ganz einfach. Wer das nicht kann, heißt es weiter, lebt im (leidvollen) Auf und Ab dieser Wellenbewegungen. Alle diese Lehrer wollen dir suggerieren, dass du Schritt zwei ohne Schritt eins machen kannst. Warum nur? Vielleicht ist Schritt eins einfach nicht wirklich glamourös. Einfach nur regelmäßige Übung von etwas in der Sache sehr Einfachen, aber eben langwierigen.

Mantrawiederholung, Meditation, immer wieder. Immer wieder auch das Erlebnis, dass es noch nicht geht, auch nach Jahren nicht, dass man Rückfälle hat. Man muss das Verständniswerkzeug entwickeln, um diesen Prozess lange genug zu überstehen, dass er Erfolge zeigt.

Leider nützt es da gar nichts, mit irgendwelchen vollmundigen, spannenden, liebevollen, barmherzigen, starken Affirmationen zu arbeiten, solange deine Prägungen das Gesamtfeld deiner Psyche uneingeschränkt beherrschen, mit all der Macht ihrer Begründungen und Erläuterungen und Berechtigungen.

Wenn du nicht das richtige Verständnis hast, das dir die Begründungen liefert, um auf diesem einfachen Lernweg zu bleiben, werden die machtvollen Prägungen, die übrigens immer alt sind und je älter je machtvoller, dich davon abhalten, das dir das Mantra zu eigen zu machen und Meditation so in deinem Leben zu verankern, wie Atmen oder Zähneputzen, was du ja auch sicher wieder machen wirst, auch wenn du es einmal vergessen hast. Und dein Verstand wird dir dann nicht einreden, dass Zähneputzen halt nichts für dich ist oder dass du es jetzt doch nicht mehr machen kannst. Du machst es, auch wenn du keine Lust hast. Du kommst nicht auf die Idee zu sagen, „also ich muss mich halt auch einfach danach fühlen, so erzwingen kann ich das nicht“, oder?

Glaub mir, das Mantra und die Meditation sind viel viel wichtiger für dein Wohlbefinden als Zähneputzen. 🙂 Und wenn du das dann einigermaßen kannst, dann kannst du all diese wundervollen Affirmationen, Traumreisen, Traumbilder, Umprogrammierungen, und was sonst noch für leckere Begriffe die Runde machen, wirkungsvoll für dich einsetzen.

Aber ohne yogascitta vrtti nirodhah geht einfach gar nichts in dieser Richtung, da gehen nur diese wertlosen, haltlosen Prägungen.

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Wirklich lesenswert

Hier ist ein Link zu einem Text, denn ich unbedingt zum Lesen empfehle…

https://media.siddhayoganac.org/teachings/2018/gm-talk-responsibility/tr/your-genuine-responsibility-de.pdf

Alles Liebe an alle Lesenden!

 

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Solange du noch Hoffnung hast,

sagte mein Meister einmal zu mir, bleibt dir die Vollkommenheit des Augenblicks verborgen. Damals dachte ich mir, klar, das macht Sinn. Aber in seiner ganzen Tragweite wurde das erst viel später klar.

Hoffnung ist für viele religiöse Menschen in der westlichen Kultur eine Möglichkeit, mit den Unwegsamkeiten der erlebten Gegenwart zurecht zu kommen. Wenn wir nicht genug haben, hoffen wir, dass es in Zukunft besser wird. Wenn wir Beziehungsprobleme haben, hoffen wir, dass es später besser wird. Wenn wir berufliche Probleme haben, hoffen wir, dass sich auch das mit der Zeit schon wieder bessern wird. Man könnte diese Reihe noch weiter fortsetzen. Es gibt viele Gründe, zu hoffen.

Aber wie genau funktioniert Hoffnung? Du hast ja nur dann Hoffnung, wenn etwas nicht gut läuft in deinem Leben, in dem, was du erlebst oder wovon du meinst/weißt, dass es ist. Die Erfahrung des Krieges lässt die Hoffnung auf Frieden wachsen. Ein als schwierig wahrgenommenes Leben jetzt lässt Menschen auf ein besseres Leben danach hoffen. Hoffnung ist also immer eine Reaktion auf das, was ist. Wer hofft, wendet sich in der Hoffnung immer vom hier und jetzt ab.

Um zu hoffen, auf diese Weise, muss man ein wirklich tiefgreifendes Missverständnis über das, was man erlebt, haben. Man versteht den Zusammenhang zwischen dem, was man erlebt, und dem, was man sozusagen mitbringt, nicht richtig. Was eine Situation, einen Menschen, einen Ort für dich zu einem negativen Ergebnis macht, sind Prägungen, also innere Gründe.

Moment, magst du denken. Und was ist mit Krieg, mit Mord, mit all den schrecklichen Dingen, die wir Menschen erleben? Ich möchte ganz bestimmt nicht sagen, dass schreckliche Dinge nur schlecht geredete Ereignisse sind. Aber Hoffnung ist nie eine gute Antwort auf derartige Erlebnisse. Warum nicht? Hilfe sie einem nicht über die momentanen Schrecken hinweg?

Nein, tut sie nicht. Sie lenkt ab, lenkt auch ab, von dem, was zu tun ist, jetzt. Hoffnung ist kein guter Handlungsimpuls bei schrecklichen Situationen. Die Vertröstung auf ein Paradies im Jenseits ist die Möglichkeit, Menschen einzureden, dass sie alles einfach erdulden sollen, weil es ja danach besser wird und es hier sowieso nicht gut sein kann und wird.

Und das tut genau das, was ich vorhin beschrieben habe: Es lenkt dich ab von dem, was jetzt zu tun ist. Manche missverstehen Yoga da vielleicht. Sie meinen, dass jemand, der sein Schicksal annimmt, passiv, duldsam und eine Art Opferlamm ist, das sich lieb und brav zur Schlachtbank führen lässt.

So habe ich jedenfalls die Worte Yogatradition nicht verstanden. Wenn du im Augenblick präsent sein kannst und nicht hin und hergerissen wirst von dein Verlangen deiner Sinne, kannst du sehr wohl effektiv und angemessen reagieren. Du kannst zutreffend einschätzen, was du tun kannst und was nicht.

Wenn du gelernt hast, nicht mehr Opfer deiner Gedanken und Gefühle zu sein, bist du effektiv in dem, was du tust. Und kannst traurig sein, wenn die Umstände es erfordern und lustig und mutig und stark.

Und deshalb: Lass es einfach, das Hoffen. Es ist reine Zeitverschwendung. Es ist das Ende der Gegenwart. Und der Anfang der Wiederholung der alten Gewohnheiten. Aber ohne Hoffnung leben, dann ist doch alles dunkel und schrecklich, oder? Das magst du dir denken. Aber nur, weil du nicht weiter, nicht tiefer über den inneren Prozess beim Hoffen nachgedacht hast.

 

 

 

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Verwechslungen und andere übliche Missverständnisse

Das ist mir heute untergekommen:

„Die meisten Menschen scheitern nicht an ihren Zielen, sondern im Umgang mit ihren Ängsten. Für ein freies Leben ist es jedoch entscheidend, nachhaltig und wirkungsvoll damit umzugehen. Die Kursleiterin ist überzeugt, dass ein wertschätzender Umgang mit sich selbst und seinen Gefühlen jeden Menschen wieder in Kontakt mit seiner ursprünglichen Vision und Power bringt. Und von hier aus ist ein authentisches Dasein nicht nur möglich, sondern die logische Schlussfolgerung.“

Wie ich im Thema ja schon sagte, geht es um Verwechslungen und um Missverständnisse. Unsere Kursleiterin, die das sicher selbst geschrieben hat, hat so manches verwechselt hier. Es geht mir nicht darum, irgendjemanden in ihrer Abwesenheit zu verunglimpfen, daher auch keine Namen und keine Quellen. Ich möchte damit nur etwas aufzeigen.

Viele Menschen hören so etwas und überlegen sich, ob sie das Budget dafür haben, sich das beibringen zu lassen. Die Verwechslung der meisten liegt bei Gefühlen und der Begründung und Rechtfertigung dieser Gefühle. Diese Verwechslung ist intellektuell, aber auch ein Ergebnis von Ungenauigkeit. Es fehlt diese klare Trennschärfe. Wenn wir von Gefühlen sprechen, sprechen wir meistens über sie als ihre Begründungen.

Vielleicht denkst du dir, das ist jetzt schon ein wenig übertrieben. Gefühle, Begründungen, das ist doch alles das Gleiche. Das ist doch nur eine Spitzfindigkeit.

Vielleicht ist eine derartige Wort-Schludrigkeit notwendig, wenn man so wenig über so viel wissen will, wie das in unserer modernen medialen Welt vorgeschlagen wird. Aber Worte haben große Macht, wie wir ja alle wissen. Leid und Lied unterscheidet nur ein Buchstabendreher. Der  Bedeutungsunterschied ist aber groß. Wir sind also schon sehr präzise mit Worten, denn wir verstehen, dass ihr ungenauer Gebrauch Verständigung sehr erschweren kann.

Wie kann man einen wertschätzenden Umgang mit einem Gefühl haben? Wie kann man mit Ängsten nachhaltig umgehen? Wenn ich meine Gefühle wertschätze, was mache ich dann genau? (Vielleicht hättest du das ja in dem Kurs mit der oben erwähnten Kursleiterin gelernt, lieber vamdev, magst du denken) Alle Menschen haben die gleichen Gefühle, das zumindest behaupten die Yogatraditonen. Wut, Hass, Liebe, Freude, Neid, Mut, Angst, etc. sind Gefühle, die alle Menschen haben. Sie sind alle in Reinform in uns enthalten, heißt es da. Und zwar dort, wo wir hindeuten, wenn wir auf uns zeigen. Und da zeigt ja keiner auf sein Gehirn, auch der überzeugte Gehirnforscher nicht, der „weiß“, dass unser Bewusstsein im Gehirn ist. Und keine zeigt auf ihr Geschlechtsteil oder ihre Haare etc.

Dort also sind diese Gefühle vorhanden. Ausgelöst werden sie, so kann man in den Yogatexten lesen, von unseren Prägungen. Das geht allen Menschen so. Wie habe ich diesen Gefühlen gegenüber Wertschätzung? Mehr Sinn entsteht, wenn es sich um eine Verwechslung handelt, wenn nicht die Gefühle, sondern ihre Begründungen gemeint sind.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass Menschen nicht wirklich unterscheiden können zwischen Gefühlen und deren sofort in ihren aufsteigenden Begründungen und Berechtigungen dieser Gefühle. Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? Wenn du eine Hose trägst und einen Gürtel, den du viel zu eng zugemacht hast, und du das Gefühl, dass dir ständig schlecht ist und dein Darm schmerzt, damit begründest, dass du Darmkrebs hast, dann ist dieses Missverständnis für dein Leben in deinem Körper so etwas wie eine rote Karte.

Wenn du Gefühle mit ihren Begründungen verwechselst, dann wirst du auf eine Weise mit ihnen umgehen, die dich nur mehr und mehr in die Begründungen verstricken und begraben.

Wie kann ich Wertschätzung mir gegenüber in einem Atemzug mit der Wertschätzung meinen Gefühlen gegenüber erwähnen? Wenn ich mich mit den Begründungen für meine Gefühle identifiziere, ja, dann stimmt das. Aber wie soll ich so je an meine Kraft herankommen, wenn ich diesen Begründungen so viel Wert und Bedeutung gebe?

Meditation oder Mantra-Wiederholung ist der Schlüssel zur Erkenntnis, dass Gefühle und ihre Begründungen doch eine eher lockere Beziehung mit einander haben. Konzentrierte, entschlossene Mantra-Wiederholung nimmt den Begründungen mit der Zeit ihre Ernsthaftigkeit und ihren Wind aus den Segeln. Du wiederholst das Mantra, Gedankengefühle kommen dazwischen immer wieder auf. Aber du bleibst beim Mantra, mit dem Atem verbunden. Dann wirst du mit der Zeit sehen, wie du Begründungen für flüchtige Gefühle in deiner Psyche baust oder sie das selbst, (scheinbar) automatisch ihren Prägungen gemäß macht.

Wenn dein Wissen und deine Entschlossenheit stark genug sind, und glaube mir, dann lernst du sehr wohl und deutlich zwischen Emotionen und ihren Begründungen und Rechtfertigungen zu unterscheiden. Jetzt könntest du auf die Idee kommen, wenn du das langsam erlernt hast, zu versuchen, deiner Art, Rechtfertigungen zu erstellen, auf die Schliche zu kommen. Aber das wäre ein Irrweg, ist völlig uninteressant und nur geeignet, wenn dir sonst alles im Leben ziemlich langweilig ist.

Sonst bringt dir das nichts. Es lenkt dich ab, ab von dir, der wirklich nur so viel an diesem ganzen Prozess beteiligt ist, wie er es will. Da wird mir die Sprache schon wieder ungenau, leider. Wenn du alle „dus“ mit „ich“ ersetzt, passt es ein wenig besser.

Wie aber willst du diesen herrlichen Prozess bewerkstelligen, wenn du meinst du bist deine Gefühle, die du, wie dich selbst auch, wertschätzen solltest? Es wird nicht möglich sein. Und du bleibst auf lange, lange Zeit eine Gefangene deiner eigenen Berechtigungen für Gefühle, die alle Menschen doch mehr oder weniger gleich haben. Besonders individuell sind sie nicht.

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