Archiv der Kategorie: Der Yoga der Emotionen

Liebe, und was man alles dazu sagen kann

Also, ich lade euch einmal ein, dieses Interview zu lesen, über Liebe. Da kann man gut erkennen, was „Liebe“ so alles sein soll. Schon interessant.

Hier ist der Link: http://www.swr.de/swr2/kultur-info/kulturgespraech/entzauberung-eines-beziehungsideals/-/id=9597128/did=13180980/nid=9597128/cgfpfi/index.html

Alles Liebe, bis bald

 

 

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Ein Kommentar

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Wechselbad und Tiefe

Heute hörte ich eine CD-Besprechung von musikalisierten Gedichten eines Lyrikers, den ich als Teenager sehr liebte. Seine Sprache war, wie ich damals, voller Melancholie und einer leisen, traurigen Schwere. Ach, wie ich das liebte.

Und der Kommentator erlebte auch das Hörbuch der Gedichte so. Aber heute, als ich hörte, wie dieser Sprecher von der melancholischen Tiefe dieser Gedichte sprach, musste ich fast lachen! Was ist an Melancholie bitte TIEF? Emotionen, Emotionen, „sagst du mir deine Emotionen, dann weiß ich, dass du mich tiiiiiieeef in dein Inneres hast blicken lassen“. Und wenn du mir dann noch über deine (ganz, ganz geheime) Sexualität erzählst, dann weiß ich, dass du dich mir ganz geöffnet hast.

Wie bitte? Das ist die TIEFE unserer Kultur? Als der Sprecher dann noch von der sehr persönlichen, höchst ungewöhnlichen Gefühlslage des Autors zu brabbeln begann, da musste ich wirklich lauthals (allein im Auto!) lachen! Gibt es jetzt beim modernen Menschen Verwachsungen im Herzchakra, so dass die Angst und die Wut und die Freude und der Mut plötzlich ganz anders und vor allem unterschiedlich daherkommen?

Alle Menschen haben alle Gefühle, manche sind sich dessen etwas bewusster oder überhaupt bewusst, andere nicht oder nur teilweise. Das ist so, wie jetzt, da ich mit den Fingern tippe, aber meine Füße, wenn auch im süßen Müßiggang verharrend, immer noch in ihrer Gesamtheit vorhanden sind. Also, was ist denn sooooo tiiiieeef und persönlich an Gefühlen, die jeder hat? Gibt es eine typisch chinesische Eifersucht und eine klassisch afrikanische Wut? Wohl kaum.

Und dann natürlich das Tabuthema Sexualität, das, wenn doch angesprochen, im vertraulichen Rahmen, versteht sich, seinem Gegenüber zeigt, dass man sich ganz offenbart. Egos HASSEN Offenbarung, und wenn sie sich aber trotzdem offen äußern, dann nur als besonderen Vertrauensbeweis. Also, jemand redet mit dir über „seine“ Sexualität, vielleicht sogar leicht errötend, weil es ja soooo persönlich ist.

Denken wir mal darüber nach: unser Körper hat in der Sexualität seinen Ursprung (bei den meisten zumindest stimmt das,) Also, sind wir fast alle auf die selbe Weise auf die Welt gekommen. Durch Sex. Und wieso ist das dann so seeeeehhhr persönlich? Vielleicht mag man nicht mit allen darüber reden, aber persönlich ist da nichts daran und auch nicht individuell. Die Möglichkeiten sind begrenzt, rein physisch, und dann kommen da noch  die Prägungen dazu und dann sind es noch viel weniger. Also, doch eher Allgemeingut und nicht wirklich so sehr individuell und persönlich.

Und doch definieren sich viele Menschen darüber: jemand IST hetero oder homo oder trans oder wie auch immer sexuell. Und dafür kann man sogar in manchen Gebieten dieser Welt die Todesstrafe erhalten. Und manche sterben dafür. Was für ein Unsinn! Und fast alle hier im Westen meinen, dass man sich doch in seiner Echtheit und Tiefe ausleben können soll. Und ich frage mich, von welcher Tiefe reden die denn?

Also, wenn du auf einmal bemerkst, dass du locker mit jemandem über deine Gemütszustände reden kannst, dann sei nicht erstaunt, wenn dein Gegenüber große, erstaunte Augen bekommt, und dir sehr berührt für deine Offenheit dankt. Aber lustig, lustig ist das allemal. 🙂

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Ein Teil oder das Ganze und weitere Gefühle :)

In einem Beitrag hat Barbara geschrieben, „Du bist Teil davon, von der Großartigkeit des Lebens…“

Darauf möchte ich eingehen. Auch auf die Gefahr hin, dass sich das für manche als etwas theoretisch anhört, sind mir da ein paar klärende Worte wichtig.

Das sogenannte normale Bewusstsein kann sich maximal als Teil von etwas fühlen. In ihrem Kommentar hat Barbara lustiger Weise auch geschrieben, „du bist die Göttlichkeit“, warum dann danach über den Teil schreiben?

Das, was ich unter normalem Bewusstsein verstehe, ist der Zustand, in dem alle Energien nach außen gerichtet sind, unwillkürlich, das heißt, wir haben in diesem Zustand keine Alternative. Und dieser Zustand kommt uns dann so normal vor, dass alle, die in diesem Zustand meine Worte lesen, sich vermutlich an den Kopf greifen und, diesen schüttelnd, weiterklicken. Gut so!

Aber dieser Normalzustand führt zu einem Leben, das wir dann runterleben, mit Auf und Ab, mit Stürmen in allen möglichen Wassergläsern, in glücklichen und unglücklichen Partnerschaften, und immer schön gefangen in den uralten Prägungen, die unsere Sinne lenken und leiten und nichts außerhalb zulassen. Wer um Himmels willen möchte DAS?

Der Zustand, den Yogis beschreiben, ist der, wie sie so oft betonen, WAHRE Zustand, wo du erkennst, dass alles, was ist und was nicht ist, alles was sein wird und scheinbar war, dass all das von dir ausgeht und nichts anderes als ein Ausdruck von dir ist. Auch wenn dieser Zustand sich offenbart, so ist doch eine Vorbereitungsarbeit notwendig, damit wir ihn aushalten können, sich ihm hingeben können und nicht gleich zum Arzt rennen müssen, um ihn uns wegmachen zu lassen wie ein Muttermal.

Auf diesem Weg, den wir Yogis sadhana (wörtlich: Mittel, um etwas zu erreichen) nennen wird man natürlich irgendwann einmal erkennen, dass dieses nach außen gerichtete Bewusstsein mit seinen Welterlebnissen nicht mehr so recht passt. Und dann entstehen Gefühle und Gedanken, die Menschen, die noch ganz im Normalbewusstsein sind, meist erschrocken als depressiv oder finster, etc. betrachten. Das ist nicht so.

Nur ist es dabei wichtig, zu verstehen, dass das vorübergehende Erfahrungen sind. Das Leuchten der Morgensonne, das Vibrieren des Lebens in allem Lebendigen, die Schöpfungskraft in allem, in Steinen, im Blau des Himmels, um nur weniges zu nennen, zu erleben, taucht für viele nicht gleich mit der ersten Meditation auf (aber das kann ohne weiteres sein, war bei mir so :)). Manche erhalten einen Ausblick auf das, was wirklich ist. Aber dann schmeckt das „Normale“ manchmal umso schaler.

Ich nenne diese Stimmungen, wie sie Satchidananda und Lilie beschrieben haben, psychische Kriyas, die kommen und wieder vergehen. Mit der Zeit merkt man nämlich ganz gut, dass diese Stimmungen es sind, die unsere Welt färben, und dass wir außerhalb dieser Stimmungen keine Welterfahrung haben. Mit der Zeit und der regelmäßigen Praxis von Mantra, Meditation und Kontemplation macht sich eine neue „Stimmung“ breit, die viel tiefer ihren Ursprung hat, als die, die man als Kriyas erleben kann.

Meistens ist das auch eine ganz einfach Sache. Vielleicht hilft ja diese Geschichte weiter.

Eines Tages  hatte Sheikh Nasrudin den ganzen Tag nichts zu essen bekommen, Fatima, seine Frau, war bei Verwandten und ihm war das Geld ausgegangen. So setzte er sich am Abend, etwas müde vom Betteln, in den Schatten eines Baumes. Geplagt von Hunger beschloss er, sich einfach im Geist eine Mahlzeit zu kochen.

Zuerst setzte er den Reis auf – er war der Reiskoch-Experte in seiner Familie, und schon beim bloßen Gedanken an den Duft von frisch gekochtem Basmatireis lief ihm das Wasser im Mund zusammen. Und dann, ja dann gab es Gemüse, er wählte nur die besten, teuersten Zutaten aus und beim Abkosten stellte er fest, dass ihm da wieder ein Meisterwerk gelungen war. Schnell noch den Dal, das Linsengemüse, gekocht und alles servieren und endlich….. ESSEN! Mit geschlossenen Augen stellte er sich vor, in der Mitte der Reis, umgeben von köstlich duftenden Inseln aus Sabji (Gemüse) mit einem feinen, hellen, Uriddal, einer Art dicke Linsensuppe. Das war’s. Er hätte auch nicht länger warten können, sein Hunger war übermächtig.

Als er so in seiner Vorstellung zu essen anfing, bemerkte er, zu seinem Gram, dass er den Dal viel zu scharf gewürzt hatte. Voller Schmerz fächelte er sich mit der Hand vor dem Mund herum. Ein Mann, der neben ihm unter dem Baum Schatten und Ruhe gesucht hatte, war erstaunt. Was machte der Mullah da neben ihm? Er schubste Nasrudin etwas und als der die Augen öffnete, fragte der Mann: „Oh Mullah, was ist los?“ Nasrudin gab mürrisch zur Antwort: „Ach was, ich hab einfach den Dal zu scharf gewürzt!“ Das erstaunte den Mann noch mehr, denn er sah keinen Dal. Nasrudin erklärte ihm seine schlimme Lage und auch, dass er sich in Gedanken verwürzt habe. Der Mann traute seinen Ohren nicht und murmelte: „Aber warum hast du dir dann nicht auch eine Süßigkeit erdacht, damit die Schärfe deines Dals nicht so unerträglich ist?“ (Denn in Indien gleicht man Schärfe oft mit einer quietschsüßen Nachspeise aus :))

Also, anstatt „ich kann das alles nicht mehr ab“ Gefühlen mehr und mehr Raum zu geben, fülle diese Zeiträume mit Mantra, mit Dankbarkeit, mit „Ich bin Shiva“. Ich meine das sehr konkret so, wie ich es schreibe. Sonst redet dich dein Geist noch in Gefühlslöcher, aus denen du nicht mehr so leicht rauskommst. 🙂

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Fühlen ohne Grund?

Für die meisten Menschen ist das nicht wirklich vorstellbar.

Ich denke da an ein Seminar, das ich vor Jahren in den USA mitmachte. Es war sehr intensiv, was damals gerade „in“ war und ich lernte eine ganze Menge über alle möglichen Dinge. Offensichtlich hatte der Trainer einen yogischen Hintergrund, wie sich an folgender Szenerie herausstellte (in einer Pause bestätigte er mir lächelnd sein Studium in östlicher Psychologie):

Mitten während eines Prozesses stand er auf und bat uns, das Gleiche zu tun. Als wir dann alle standen, sah er auf seine Uhr, um anzudeuten, dass wir jetzt eine zeitlich exakt abgegrenzte Übung machen würden.

Mit neutralem Gesicht sagte er dann: Wir werden jetzt fünf Minuten lachen. (Damals wusste man normalerweise noch nichts von dem so genannten „Lach-Yoga“). Er sah auf seine Uhr und gab uns mit der Hand ein Zeichen und sagte: „Los auf drei: Eins, zwei, DREI!“ Im Raum machte sich höchst betretenes Schweigen breit, während er aufmerksam und geduldig auf seine Uhr sah. Das Schweigen schien für viele unbeschreiblich unangenehm zu sein. Schließlich brach es aus einem älteren Herrn hervor: „Ich kann doch nicht einfach so lachen, ohne Grund“, rief er.

Der Trainer lächelte und sagte knapp: „Dann erfind dir doch einfach einen Grund. Sonst machst du es doch auch so.“ Dann brach er die Übung ab und wir diskutierten die für die meisten erstaunliche Tatsache, dass Emotionen und ihr Existenzgrund zwei voneinander getrennte Dinge sind.

Damals schon dachte ich mir, das können nur Yogis verstehen, ich meine damit Menschen, die gelernt haben/lernen, in der Meditation, dass Gedankengefühle ständig in uns aufsteigen und dass ihre Begründung nicht zwangsläufig und vor allem unlösbar mit ihnen verbunden sein muss.

Ohne Meditation ist das nur theoretisch, wenn überhaupt, klar. Sonst würden viele Menschen, die angeblich spirituell „unterwegs“ sind, ihren Gefühlen, die NUR durch ihre Begründung oder Rechtfertigung Dauer erlangen, nicht eine derartige Bedeutung geben. Es gäbe dann auch keinen Grund, die Muster dieser Gefühlsgedanken zu erkennen, und es gäbe auch keinen Grund, dieser Fata Morgana entgegen zu wirken.

Für uns Yogis ist das erst mit der Zeit so deutlich zu sehen. Zu sehr drängt uns Kultur und Erziehung zu emotionaler Unbeweglichkeit. Erst mit der Zeit können wir sehen, das man ohne weiteres Begründung und Emotionen trennen kann, mehr noch, sie sogar anders zusammenbauen kann.

Wenn du aber immer noch ganz davon ausgehst, dass dich Gefühle und Gedanken, und die daraus resultierenden Taten als Mensch ausmachen, dass das das Wesenhafte an dir ist, dann sind die von mir erläuterten psychologischen Möglichkeiten undenkbar, vielleicht sogar herzlos und menschenverachtend.

Am besten angewandt sind diese yogischen Grundsätze bei einem persönlich. Wenn ich überhaupt über gesellschaftliche, kulturelle Dinge spreche, dann nur, um unsere eigene psychologische Umstände verständlich zu machen.

Es geht mir auch nicht um die Beurteilung der Zuständen „normaler“ Menschen (ein Begriff aus den Spanda Karikas), sondern eher darum, zu verdeutlichen, warum es nicht einfach ist, die Fähigkeit der Trennung von Emotion und Begründung zu erlernen und anzuwenden. Auch halte ich es für wichtig für unseren Alltag, sich klar zu machen, dass normalen Menschen diese Trennung nicht einmal im Ansatz möglich ist.

Es entspricht meinem Studium und meiner eigenen Erfahrung auf dem Yogaweg, dass ohne die Hilfe eines initiierenden Meisters diese Fähigkeit nicht erlernbar ist, weil sich unser Interesse, das zu lernen, erst gar nicht entwickeln kann. Die Information allein, so scheint es mir, erweckt in uns noch lange nicht die starke Vision der Freiheit, die man braucht, um den Weg lange genug zu gehen, damit es grundsätzlich immer möglich ist, Gefühl und Grund zu trennen oder frei zusammen zu bringen.

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2. Gedankengefühle sind flüchtige Gebilde

Meine Lieben,

Yoga verwendet ja viele Methoden, um uns die Möglichkeit zu geben, nicht mehr NUR Opfer unseres Denkens und Fühlens zu sein.

Wie bitte? würden die meisten denken. Wie soll das gehen? Ich will doch nicht meine tiefen Gefühle unterdrücken, verdrängen! Lehrt Yoga dann, KEINE Gefühle mehr zu haben? Die Menschen, die bei uns hier Yoga praktizieren, und so denken, bemühen sich sehr, weniger zu fühlen, weniger tiefe Emotionen zu haben. Einmal sagte mir eine Yogalehrerin, dass es ihr immer mehr gelinge, diese hohen Höhen und die tiefen Tiefen langsam zu reduzieren in ihrer Gefühlswelt. WAS? Yogis sind also emotionale Zombies, die alles immer mehr kalt lässt?

Was soll das? Das bedeutet doch nur, dass jemand seinen Gefühlen große Macht einräumt, die mächtigen Yogamethoden einsetzt, um weniger diese übermächtigen Gefühlstumulte zu haben. Glaubt mir, darum geht es sicher nicht im Yoga. Menschen, die das versuchen, praktizieren nicht Yoga, sondern benutzen die Methoden des Yoga, wobei sie nicht im Geringsten aufhören, Opfer ihrer Emotionalität zu sein.

Also, Gefühle sind Gefühle, nichts weiter. Sie haben große Kraft und sind flüchtiger als das leichteste ätherische Öl. Wenn unser Verstand aber seine Gedankenarbeit aufnimmt und Gefühle mit Berechtigung und Erklärungen unterfüttert, dann ist das vergleichbar mit der Wirkung auf Kälte und Gasen. Sie können vollkommen erstarren und hart werden. Ihre Flüchtigkeit ist verloren. Berechtigte Gefühle sind wie Trockeneis. Und sie lassen auch alles andere um sie herum mit erhärten. Gefühle verlieren so ihre eigentliche Natur. Mit genug Berechtigung und Erklärung können aus diesen wolkenhaften Gebilden, Emotionen genannt, Handlungszwänge entstehen, die meistens großes Unglücklichsein bewirken.

Dann ist es nur mehr schwer möglich, diese Gedanken und Gefühle abzubauen, ihnen ihre Flüchtigkeit zurückzugeben. Sie hinterlassen tiefe Spuren, Prägungen im Yoga genannt, und wie bei einem tief eingefahrenen Hohlweg rutschen wir immer wieder rein, in diese Gedankengefühle, und mit jedem Reinrutschen werden sie tiefer und tiefer. Ein ziemlich perfieder Teufelskreis.

Wenn Gefühle und Gedanken ihrer Natur nach flüchtig sein könnten, dann hätten wir mehr Freiheit in unserem inneren Zuhause. Solange nicht klar ist, dass das Problem in der Verfestigung von Gedanken und Gefühlen liegt, wir mein Yogaweg diese Zwangshaftigkeit und Verstarrung der Gefühle nur noch vertiefen.

Fortsetzung folgt 🙂

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