Archiv der Kategorie: Der Yoga der inneren Heilung

Auf dem Sockel der Befreiung?

Vor vielen Jahren, nach der Trennung von meiner Partnerin, erklärte mir eine Frau in der Schweiz, warum sie jetzt nicht mehr in meine Kurse kommen würde. Sie sagte, dass sie mich vorher immer auf einen Sockel gestellt hatte, aber im Laufe dieser Trennung habe sie mich wieder von diesem Sockel runtergeholt, „auf Augenhöhe“. Spontan sagte ich zu ihr: „Wie schade! Du hättest dich mit auf den Sockel stellen sollen, dich erheben, und nicht mich in dir erniedrigen sollen.“

Immer wieder haben mir Menschen das sogar mit einer gewissen Portion Stolz erzählt, dass sie mich jetzt nicht mehr auf diesen Sockel stellen, dass es für sie wichtig war, mich von diesem Sockel zu stoßen. Na toll! Hast du damit deinen wahren Wert erkannt oder nur mich, der ich ja sowieso nur in deiner Vorstellung als der erscheine, von dem du MEINST, dass ich es bin, auf dein begrenztes Niveau in dir herabgestuft? Was nutzt dir das? In der Welt des Egos ist so ein Vorgang des Sockelsturzes ein Akt der Emanzipation. („Der (oder Die) ist auch nicht besser als ich“). Aber auf dem Yogaweg, wo es um Befreiung geht, um die Erkenntnis deiner Herrlichkeit, was nutzen dir diese Gedanken der Erniedrigung?

Ein ander Mal sagte jemand zu mir: „Ich meine, es ist doch klar: Du bist doch nicht erleuchtet!“ Als ich fragte, woher sie das wissen und beurteilen könnte, gab es nur ausweichende Worte. Mit der Folge, dass diese Person später verbreitete, der vamdev behauptet jetzt, dass er erleuchtet ist. Das Gleiche passiert auch anders herum: „Naja, ich bin halt noch nicht so weit wie du.“ So so. Du hast also die Möglichkeit zu beurteilen, wie weit andere Menschen entwickelt sind? Warum tut man das?

Das ist eine alte Geschichte. Im Christentum wird ja geglaubt, dass Jesus Gott in Menschengestalt war/ist. Und seit der Zeit hat man ihm alle möglichen besonders menschlichen Züge angedichtet: Dass er vor lauter Todesangst Blut geschwitzt hat, schon Tage vor seiner Ermordung, dass er in der Stunde des Todes all seine Göttlichkeit in tiefem Zweifel verloren hat: „Vater, Vater, warum hast du mich verlassen!?“ Natürlich wussten die Mystiker, dass diese Worte nicht aus der Verzweiflung kamen, wussten, dass jemand wie Jesus keine Todesangst haben KONNTE. Andere hatten sogar Mitleid mit Jesus, fühlten sich schlecht, weil sie mit ihren Sünden sein Leid verursacht haben. Was für ein grandioses Missverständnis!

Aber im normalen Christentum entstand so eine Solidarität der Begrenztheit zwischen Jesus und den Menschen. Er war auch nur ein Mensch. Genauso wie du und ich, begrenzt, voller Ängste, wütend und unbeherrscht (sein Wutausbruch mit den Händlern im Tempel wird da oft als Beweis herangezogen).

Befreiung oder Emanzipation im Yoga ist nicht das Verständnis, dass alle auch nur mit Wasser kochen. Die Ereignisse im Leben eines Menschen, sein Schicksal, geben keinerlei Aufschluss auf seine inneren Errungenschaften. Denn eines muss klar sein: Wie du jemanden mit seinen Handlungen wahrnimmst, hat in erster Linie mit dir etwas zu tun, mit deinen Prägungen, nicht mit dem Menschen, den du beurteilst oder einschätzt. Wenn du anderen die gleiche Begrenztheit andichtest, in der du dich wähnst, wie soll es je für dich möglich sein, dich zu befreien, von deinen inneren Fesseln, deinen Missverständnissen?

Ja, aber vamdev, das empfinden die Menschen doch nur auf dich bezogen so, magst du jetzt argumentieren. Beim Guru ist das doch sicher nicht so. Meinst du? Das wäre ja großartig, gerne würde ich Platz nehmen, am Fuße all der Sockel, von denen ich herabgezerrt wurde. Aber diese Haltung ist ja in der- oder demjenigen, der das macht, hat mit meiner Person nichts zu tun. Einmal hat mir eine langjährige Schülerin meiner Meistern gesagt: „Also für mich ist sie jetzt eher so etwas, wie eine Schwester.“ Oder jemand anderer, auch über viele Jahre mit meiner Meisterin auf dem Weg, sagte: „Es ist wirklich ein großartiges Gefühl, dem Guru in seiner Mission helfen, sie unterstützen zu können.“ Als ich das hörte, erschrak ich zuerst einmal, damals. Der Guru ist per Definition Shiva, hat alle Begrenzungen überwunden. Und dann meint ein Schüler des Gurus, er könne dem Guru bei seiner Arbeit helfen? Mit freundlichen Grüßen vom Ego wahrscheinlich.

Wenn du jemanden erhebst, dann nutze doch diese kurze Unachtsamkeit deines Egos dafür, dich mit zu erheben. Wenn du meinst, jemand ist erleuchtet, dann assimiliere diesen Zustand, anstatt diese Person in dir mit deiner Farbe einzufärben. Färbe dich in ihrer Farbe. Das Ego ahnt seine Begrenztheit. Manchmal, in seltenen Momenten der Klarheit. Ergreife solche Momente und schwinge dich empor, statt den Spalt des Segens wieder zu schließen mit Gefühlen und Gedanken wie „der ist auch nicht besser als ich“. In der Guru-Schüler-Beziehung ist es entscheidend, wie der Schüler den Guru sieht. Mein Meister sprach da immer von Shishya-krpa, dem Segen des Schülers. Er erklärte immer wieder, dass dieser Segen wichtiger sei als der Segen des Gurus.

Es spielt wirklich keine Rolle, wie weit jemand anderes ist. Die Frage ist, wie weit du befreit bist von deinen Gefangenschaften, von den Fesseln deiner Missverständnisse und vermuteten Unzulänglichkeiten. Was nutzt dir die Erleuchtung eines anderen? Vielleicht, dass dein Verstand glauben kann, dass der Weg wirklich funktioniert und andere in die Freiheit führen kann. Aber wenn dein Verstand seinen Weg darauf aufbaut, dass er für andere schon funktioniert hat, dann wird er auch, im Laufe der Zeit, Begründungen dafür finden, warum es bei dir nicht „klappt“.

Es geht auf dem Yogaweg ja nicht darum, Shiva zu jiva zu machen, sondern umgekehrt, das begrenzte Individuum aus seiner Begrenztheit zu führen zu Shivas Unendlichkeit. Mach dir also keine Gedanken darüber, ob jemand anderes den Weg zu Ende gegangen ist, sondern gehe du ihn zu Ende. Wenn du von jemandem lernen willst, wie zum Beispiel von vamdev, dann überprüfe in dir, ob das, was er lehrt, mit den Schriften übereinstimmt, mit den Worten der Meister. Und dann wende an, was du lernst. Lass dich nicht ein auf Diskussionen über die Zustände anderer.

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Gedanken und Gesundheit oder: denk dich gesund?

(Das ist EIN Lernprozess, den wir zu Ostern im Kurs bearbeiten werden)

Also, besonders in spirituellen Kreisen ist doch allen längst klar, dass es die Macht der Gedanken gibt. Es scheint manchmal in aller Munde oder zumindest in allen Köpfen herumzugeistern, diese Idee, dass Unglück, dass Lebensprobleme und ja, auch körperliche Probleme nichts anderes sind als fehlgeleitete Gedanken, die man durch „richtige“ Gedanken korrigieren kann und daher auch sollte.

Erst mal: welche Entlastung des allgemeinen Gesundheitssystems! Die Verschwörungsbeschwörer sind sich auch klar darüber, warum das bei uns noch nicht die Runde gemacht hat: Alle Ärzte und die ganze Pharma-Industrie wäre ja auf einen Schlag arbeits- und mittellos.

Also, verkaufen viele, viele Rattenfänger diese Theorie. „Denk dich gesund“, etc. Vor kurzem hat mich eine Frau in einem Kurs darauf angesprochen und meinte, das Altern und alle Krankheiten seien ja wohl doch eine Einstellungsfrage, eine Frage des Denkens und der persönlichen Macht über das Denken.

Folgerichtig, sind alle, die da noch krank sind, spirituell unter-, fehl-, minder- oder gar nicht entwickelt.

Schweigt daher lieber mit euren Wehwehchen, behaltet euer Leid für euch, wenn ihr nicht Gefahr laufen wollt, dass es allen, die sich wirklich auf diesem Gebiet auskennen, sonnenklar ist, dass du halt nicht richtig meditieren kannst, du deinen Weg wohl eher als sporadische Spaßveranstaltung betreibst, oder, was dann noch schwerwiegender ist, dass du einen Guru hast, der entweder keine Ahnung hat, was mit dir los ist oder nicht die Kraft hat, dir zu helfen, oder, beides.

Habt ihr einmal darüber nachgedacht, warum das für dich (und mich und alle anderen) nicht funktioniert, das mit dem Sich-gesund-denken, Sich-reich, schön, oder irgendetwas anderes zu denken?

Da ich, wie erwähnt, immer wieder davon höre, gehe ich einmal davon aus, dass es dich betrifft, vielleicht nicht jetzt, wo du das liest, aber, und das vermutlich zunehmend mit den Jahren, sicher bald wieder, wenn es dir körperlich nicht so gut geht.

Du nimmst zu, obwohl du nicht mehr oder anders isst? Dann DENK dich doch dünn. Das geht nicht? Tja…. siehe oben.

Ein wesentliches Missverständnis liegt dieser Denkweise zu Grunde. Die im Yoga klar formulierte Entstehung unseres Jetzt-Zustands kann uns hier zu Klarheit verhelfen.

Erst einmal kann man sagen, dass es richtig ist, dass die Hardware, der Körper, von der Software, dem Geist, gesteuert wird. Mehr noch, und da hinkt meine Hardware-Software-Wortwahl: der Körper entsteht aus dem Geist, vielleicht wie ein Muster, das man mit Metallspänen um einen Magnet erzeugen kann. Das Bild entsteht durch den Magnetismus. Und hier ist wiederum das Beispiel nicht ganz zutreffend, denn die Metallspäne, das Muster, um in der Sprache des Bildes zu bleiben, der Magnet und der Magnetismus sind alle materialisierter Geist, oder nicht einmal das. Sie sind alle eine Kraft, eine Realität, Ich, nicht einmal Formen von mir. 

Aber wenn ich mich aus der unbeschreiblichen Stille, aus dem Einmaligen mit aller vorstellbaren Wonne nach außen wende, fließe ich über in die ekstatische Kaskade der Schöpfung, mit der ich mich aus dem Feinsten, aus der „makellosen Stille“ in immer mehr Schwingungen, Töne, Formen, Geschichten, Materialien verpuppe. Nach außen begebe ich mich in die Vielfalt, gebe dabei alle Macht über meine eigene (!) Schöpfung auf und kreiere das Unglaubliche, das Unfassbare: OHNMACHT, Leid, Missverständnisse, Gut und Böse, Verbrechen, Dummheit, Gier in allen Facetten, Liebenswürdigkeit, Zuneigung, Respekt, Freundschaft und alles, was wir kennen und nicht kennen und zu kennen glauben.

Wenn ich mich dann auf den geistigen Weg mache, dann trete ich, wie das der Yogameister Kshemaraja aus dem 10. Jh. nannte, meine Heimreise an, ich trete aus meinem Pseudo-Ich heraus und erkenne mich, wie ich wirklich bin. Pratyabhijna, Wiedererkenntnis, nennen das die Shiva-Yogis aus Nordindien.

Seid ihr noch bei mir? Ist das einigermaßen klar?

Die Frage nach Krankheit, nach Leid, nach Heilung, nach Besitz, nach Schönheit, etc. etc. – da kann man alle möglichen menschlichen Verlangen einfügen – taucht natürlich ständig auf, wenn man den Weg geht, zumindest am Anfang. Sie ist ein klares Indiz für die OHNMACHT dessen, der seine geistigen Fähigkeiten zur Erfüllung dieser Wünsche benützen möchte. Ist das verständlich? Nur wer gefangen ist auf der Ebene der Begrenztheit der Fähigkeiten, der Armut von Shakti (Energiearmut), wie das die Yogis nennen, möchte diese Ebene „korrigieren“ und ist folgerichtig (!) nicht in der Lage, das zu tun. NIEMAND, der das will, KANN DAS! Das ist nur allzu logisch.

Wenn es im Laufe dieser „Heimreise“ möglich ist, die Ebene der Physis wirklich durch den Geist, durch gezielte Gedanken und Gefühle zu reparieren, ist die Erkenntnis, ich bin Shiva vorherrschend. Und wieso sollte Ich etwas ändern, was ich bewusst, vollkommen, uneingeschränkt, so, wie es ist, bewirkt habe? Wenn die Umgestaltung der eigenen Schöpfung möglich ist, wenn wir eine derartige Bewusstseinsebene erreicht haben (wo ist dann „wir“ oder „ich“ oder „du“), wie können wir dann überhaupt noch auf die bloße Idee kommen, etwas zu ändern?

Auf der Ebene, wo es zwickt und zwackt, wo wir leiden, es weh tut, unser Körper mit Mühe alt wird, und wo wir darunter leiden, stellt sich gar nicht einmal die FRAGE, was wir mit unseren Gedanken machen können, um das zu ändern. Auf dieser für normale Menschen alltäglichen Ebene gibt es maximal die Sehnsucht nach „Dein Wille geschehe“. Das ist für den begrenzten Willen die höchste Form der Verwendung. „Möge ich in allem und immer deine Hand, deinen Segen sehen, möge alles, was ich tue, dir dienen und dich verehren“ (siehe letzter Vers der Shiva Manasa Puja).

Wir versuchen, gesund zu leben, damit wir nicht allzu viel Kraft für das Erdulden aufwenden müssen, damit wir von unserem Körper in Ruhe gelassen meditieren können. Oder wir nehmen hin, was wir im Körper mehr oder weniger direkt verursachen und was unsere Genetik daraus macht.

Habe ich das verständlich beschrieben? Bei Rückfragen werde ich gerne dieses Thema weiter ausbreiten.

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Das größte Wunder dieser Welt – Nachspiel

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf einen Kommentar von Philipp zu meinem Beitrag „Das größte Wunder dieser Welt“, der sich mit dem Tod befasst. Philipps Frage finde ich wichtig und ich bin froh, dass er sie gestellt hat.

Hallo vamdev,
ich freue mich, dass Du das Thema hier aufgreifst. Ich habe schon öfter über dieses Thema nachgedacht und auch studiert. Ich sehe da eine Schwierigkeit: Graceful exits beschreibt, wie voll entfaltete Meister gestorben sind. Andere Schriften beschreiben, dass der Meister dich begleitet. Wieder andere sagen, es wäre wichtig so zu leben, dass du nichts bereust. Mir fällt es schwer, darin eine pragmatische Lösung für das Problem der eigenen Sterblichkeit zu finden. Wenn sich ein Boxer auf einen großen Kampf vorbereitet, dann ist sicher nicht die Hauptarbeit, darüber zu lesen, wie andere Boxkämpfe gewonnen haben. Weiter wird er sich auch nicht darauf beschränken, so zu leben, dass er es nicht bereut brutal verprügelt zu werden. Ich sehe hier den Weg nicht. Was wäre eine sinnvolle Vorbereitung? Danke und ganz liebe Grüße

Lieber  Philipp,

das Beispiel mit dem Boxer ist das Problem. Das funktioniert nicht beim Thema „Tod“. Viele Dinge stimmen da nicht. Sterben ist für die meisten Menschen ein Kaltstart. „Für alle“ kann man auch sagen, aber das weiß ich halt nicht wirklich. Und wie bei Kaltstarts üblich, kann man nicht so einfach auf selbst gemachte Erfahrungen zurückgreifen. Dann sucht man nach Ähnlichem: Tiefschlaf soll sich ähnlich anfühlen. Man beschäftigt sich mit den Aussagen von Menschen, die vielleicht generell als weise gelten, also auf anderen Gebieten sich als wissend und erfahren ausgewiesen haben.

Und wer weiß schon Bescheid? Es gibt die Geschichte eines Zen-Meisters, der von seinen Schülern gebeten wurde, etwas über den Tod zu erzählen. „Darüber weiß ich nichts“, war seine Antwort. Darauf die Schüler: „Aber du bist doch ein Zen-Meister!“ „Aber kein toter Zen-Meister“, war seine Antwort.

Das Einzige, was ich auf Grund dieser misslichen Kaltstart-Situation als sinnvoll erachten kann, ist wirklich, über den Tod zu lernen, von Meistern und Weisen, die sonst auch stimmig und nachvollziehbar lehren.

Dann ist da natürlich auch noch der körperliche Alterungsprozess. Mit ihm und anderem körperlichen Leid ist der Tod eher eine Verheißung als eine Bedrohung (wie etwa bei einem bevorstehenden schweren Boxkampf). Solange dieser Prozess noch im Erträglichen abläuft, mag auch die Aussicht (wie mein Meister das nannte) „auf einen jungen, frischen Körper“ verlockend sein, und daher die Beschäftigung mit Karma und Reinkarnation als Verdrängung von möglicher Endlichkeit tröstlich sein. Aber wenn das Ding, das wir Körper nennen, nur noch Stress macht und Mühe, dann ist man schon froh, das endlich los zu sein. Was auch immer danach passiert.

Aber bei vielen bleibt doch die Angst. Da man auf dem Yogaweg lernt, dass Gefühle und Gedanken in uns sind, kann man ja lernen, zu wählen, was in uns im Alltag abläuft. Und, ganz egal ob endlich oder weiter reinkarnierend, ich kann mich trainieren, Freude zu empfinden, ich kann Gelassenheit trainieren oder kann mich mit Angst wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten.

Es gibt viele logische Gründe von einer Fortführung von Unvollendetheiten auszugehen. Die Idee des Weiterexistierens nach dem Tod ist eine entsprechende Folge dieser Gründe. Aber WISSEN, wie ich weiß, dass es draußen gerade 2 Grad hat, wer kann das schon mit Fug und Recht von sich behaupten? Ich gebe für mich zumindest zu, dass mir das auch egal ist. Für mich ist das Wissen um meinen Tod, und da hoffe ich jetzt, niemanden zu verstören, einzig und allein dazu da, mich daran zu erinnern, dass ich mein Leben genießen muss, dass ich meine Zeit nutzen möchte, um mich wohl zu fühlen und glücklich zu sein. Enjoy the Ride!

Ich hoffe, das nützt. Alles Liebe und danke für diese direkte Frage (würde auch nichts anderes von dir erwarten :)!

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Das größte Wunder dieser Welt

In der Mahabharata, dem größten (zumindest vom Umfang her) Epos der Menschheit, wird der Weise Yudhisthira gefragt, was wohl das Erstaunlichste auf dieser Welt sei. Er antwortete: „Dass ein Mensch, der andere ständig um sich herum sterben sieht, nie daran denkt, dass er sterben wird.“

Vor vielen Jahren hörte ich diese Geschichte und habe sie immer wieder in meinen Kursen erzählt. Vor ein paar Tagen hörte ich, dass ein Schüler meiner Meisterin, den so manche LeserInnen dieses Blogs auch kennen mögen, gestorben ist, an Krebs. Ich habe das gehört und dann überlegt, wie gut ich ihn kenne und dann einfach weiter gemacht, mit meinem langsamen Sonntag. Dann traf es mich auf einmal. Langsam komme ich in ein Alter, wo auch schon statistisch der Tod mehr und mehr zur unmittelbaren Zukunft gehört.

Kennst du das vielleicht? Immer öfter liest du von Sterbemeldungen bekannter Leute, die du noch kanntest, als sie ziemlich jung waren. 🙂 Und so fiel mir auch heute wieder dieser Satz ein. In unserer Kultur konzentriert sich alles in der ganzen Angelegenheit des Todes und des Sterbens auf das Sterben. Wie kann es möglichst schmerzfrei sein, wie kann ich das Sterben beeinflussen, etc. etc.? Allerdings ist doch der Tod das viel einschneidendere Ereignis. Ja, magst du entgegnen, aber am Tod kann ich nichts ändern, nichts machen, der kommt einfach. Warum sollte ich über unausweichliche Dinge nachdenken?

Zuerst einmal stimmt es ja vielleicht gar nicht, dass der Tod einfach so kommt und du nichts machen kannst. Das ist als hättest du einen Auszugstermin aus deiner Wohnung erhalten, und du überlegst nur kurz, in welcher Methode du diesmal packen wirst, bemühst dich aber nie um eine andere Wohnung.

Was kann man denn da schon unternehmen, mag sich manche(r) hier denken. Man könnte sich zumindest einmal damit befassen, was andere Kulturen dazu gesagt haben. Die meisten Kulturen auf dieser Welt verstehen sehr wohl, dass der Tod ein wesentlicher Faktor des Leben ist. Je klarer diese Kulturen mit dem Tod umgehen, desto eher befassen sie sich auch mit dem Tod als Zwischenstation.

Da magst du mühe abwinken, „alles nur Spekulationen“. Wir spekulieren über Klimaveränderungen auf einem Planeten, der nach unseren Spekulationen über 4 Milliarden Jahre alt ist und alle möglichen, uns sicher völlig unbekannten Veränderungen durchgemacht hat. Wir beschäftigen uns mit Zeiträumen, die in keiner Weise erfühlbar sind, als würden wir uns auf dem Boden von Fakten und Realität bewegen. Aber wenn es um diese Fragen geht, die wiederum für andere Kulturen mindestens so sehr Fakt sind wie für uns zum Beispiel das oben genannte Alter der Erde, dann sehen wir darin nur Spekulationen.

Helfen würde bei diesem Thema, wenn wir es einmal als beschäftigungswert erkannt haben, wirklich schon bloß die Beschäftigung. Der Tod ist die stärkste Realität im Leben. Alles andere ist mehr oder weniger unsicher: Gesundheit, Erfüllung, spirituelle Entfaltung. Dem gegenüber ist der Tod eine fixe Größe. Letztens habe ich eine schöne medizinische Beschreibung von einem Wissenschaftler gehört, der erklärte, körperlich abläuft, damit der Körper den Tod erfahren kann. Das wäre zum Beispiel mal ein Anfang. Recht einfach zu erforschen, wenn man das Internet benützt.

Dann könnte man sich darüber informieren, wie spirituelle Meister oder Yogis sterben, die Erleuchteten und auch die noch nicht so ganz Erleuchteten. Manche LeserInnen haben Erfahrung mit dem Prozess des Sterbens, von ihrer Arbeit her oder weil sie beim Tod anderer Menschen anwesend sein konnten. Ich halte das für ein großes Lebensgeschenk, da mit dabei sein zu können.

Der Tod als Fixstern des Lebens würde vieles ins rechte Licht rücken, wenn wir das dann endlich einmal akzeptieren würden. Ich finde schon allein die Tatsache bemerkenswert, dass alle Bemühung um das Ansammeln von materiellen Dingen im Tod ohne Belang ist. In einer materialistischen Kultur eher eine erschreckende Einsicht. Kein Haus, kein Auto, keine Schmucksammlung und kein Aktienpaket verschwand mit dem Tod seines Besitzers/seiner Besitzerin bisher, meines Wissens nach, spurlos von dieser Erde. Auch dann nicht, wenn der Leichnam eingeäschert wurde und die Asche in alle Himmelsrichtungen zerstreut wurde.

Zumindest DAS, so denke ich, ist allen klar. Aber ändert es etwas am Verhalten der Menschen? Gut, magst du dir sagen, ich bin Yogi, Yogini. Ich habe nicht so große Sorgen, was den Tod betrifft. Das mag so richtig sein: Sorgen machen nützt da wenig. Aber weißt du, was beim Tod passiert, wie das geht? Wie haben andere Yogis, Meisterinnen das gemacht?

Was bedeutet der Tod für dein Leben? Geradeaus weiter rasen, bis die Klippe kommt und du runterfällst? Oder deine Wichtigkeiten überdenken? Was mich dabei immer fasziniert, ist die Art und Weise, wie ausentwickelte Menschen, die Heiligen und Meister, dem Tod gegenüber traten, ihn behandelten, was sie sagten und was sie taten, wenn sie dem Tod ins Angesicht sahen.

Wer des Englischen mächtig ist, der lese „Graceful Exits„. Denkst du darüber nach, wenn du einschläfst? Ich fände es wunderschön, wenn dieser Blog auch eine Art Forum wäre, in dem wir unsere Erfahrung mit dem Tod anderer miteinander teilen.

Alles Liebe!

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Und auch das noch einmal: Selbstliebe

Mir kommt es so vor, als würde das Wort „eigentlich“ wie ein Schatten des Wortes „Selbstliebe“ fungieren. 

„Eigentlich“ mag ich mich ja, so wie ich bin. „Eigentlich“ habe ich eine gute Beziehung zu mir. „Eigentlich“ freue ich mich, dass ich als ich auf der Welt bin. „Eigentlich“ finde ich ja, dass ich ganz gut aussehe. „Eigentlich“ bin ich ja ziemlich (der ehrgeizige Bruder von „eigentlich“) erfolgreich. „Eigentlich“ mag ich ja auch meine Art. „Eigentlich“ bin ich umgänglich und gut zu haben. „Eigentlich“ bin ich lustig. „Eigentlich“ habe ich einen Tiefgang, der mir gefällt. Ich könnte einen ganz langen „Eigentlich“-Text schreiben.

Im yogischen Sinne ist Selbstliebe nicht die Suche nach all den „eigentlich“ ganz guten Seiten an dir. Sie ist nicht der Versuch, fehlerhaftes Verhalten schön zu reden, vielleicht aber, die Quelle dieser Bewertung zu hinterfragen. 

Für „normale“ Menschen ist Selbstliebe schon eine sehr, sehr schwierige Sache. Ihre Prägungen sind lebensbestimmend. Aus ihnen heraus beurteilen sie nicht nur andere Menschen und die Situationen, die sie selbst erleben, sondern natürlich auch sich selbst. Alle guten Argumente für diese Beurteilungen sind auf der Seite der Prägungen. Da „normale“ Menschen nicht wirklich die Bandbreite ihrer Prägungen erfassen können, SIND sie ihre Prägungen. Und so ist ihre Selbstliebe der Versuch, es ihren Prägungen möglichst recht zu machen.

Die mit starker selbstkritischer Prägung versuchen sich zu verbessern, bessere Menschen zu werden, sich so zu verändern, dass ihrer Prägungen, mit dem eigenen Ego am Steuer, sie für gut befinden. Alle Leserinnen und Leser, die das versuchen oder versucht haben, wissen, dass das ein schweres und letztlich unmögliches Unterfangen ist. So versuchen sie Bereiche für „sich“ an sich selbst zu entdecken, die vom Ego als weniger wichtig eingestuft werden und die dann zu lieben. Das hilft etwas, aber sobald diese Liebe stärker wird, erwecken auch diese Bereiche die Aufmerksamkeit des Egos und schon wirken die Prägungen wieder mit voller Kraft.

Oh je, könnte man sagen, Selbstliebe ist ja ein sehr schwieriges Projekt. Normalerweise ja. Und ich meine, nicht nur schwierig, sondern unmöglich, solange das gute, alte Ego die Kapitänsbinde trägt. Aber wie sie ihm abnehmen? Das ist nicht so einfach. 

Das Mantra ist der beste Weg zu Selbstliebe, den ich kenne. Wenn es vom Guru für eine Schülerin, einen Schüler aktiviert wurde, dann entfaltet es sich aus sich selbst heraus in uns. Ich kann mir vorstellen, dass sich das schon recht eigenartig anhört, fast schon wie eine Art Invasion der Außerirdischen. Aber das ist nicht so. Es ist einfach und wirksam. Wenn du über den Sinn des Mantras nachdenkst, ihn dir immer wieder klar machst, dann baust du, während dein Ego weiter seine Kapitänsrolle ausübt, eine neue Dimension in dir auf. Das empfinde ich als den wahrhaft geheimnisvollen Prozess im Yoga.

Selbstliebe geht nicht mit dem Ego in der Hauptrolle. Das ist nur verlogen und verbogen. Daher glaube ich auch nicht an all die Kurse und Workshops und Bücher, die dir das Blaue vom Himmel versprechen, in Bezug auf Selbstliebe.

Deshalb ist es für YogInis so wichtig, mit voller Kraft ihr Leben zu leben, das sicherlich noch für einige Zeit in erster Linie vom Ego diktiert wird. Hingabe zum Guru, Mantrawiederholung, Meditation und Studium der Schriften, ernsthaftes Nachdenken über „ich verbeuge mich vor mir“, „ich achte mich“, „ich ehre mich“ – all das ermöglicht die sanfte Revolution, die das Leben intakt hält, während alles in uns sich ändert. Es ist ein großartiger, ein umfassender Prozess. 

Selbstliebe ist immer wieder in Gefahr, auch wenn man schon lange auf dem Weg ist. Wirklich, du musst rigoros praktizieren: „Denke immer nur das Beste über dich!“ Der Fortschritt wird dir ermöglichen, dass die Zeiten, an denen du das vergisst, immer kürzer werden, bis es zu deiner zweiten, oder besser gesagt: deiner eigentlichen Natur wird. Mit dem oben Geschriebenen sollte klar werden, dass Selbstliebe nicht Selbstverliebtheit ist, dass Selbstliebe nicht Selbstverherrlichung meint, die sich daraus nährt, alles andere und alle Anderen klein zu machen. Es ist ein barmherziger Prozess, sich selbst und damit auch anderen gegenüber.

In Liebe!

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Heilung innerer Wunden

Im der westlichen psychologischen Tradition, so man überhaupt von einer derartigen sprechen kann, ist Heilung innerer Wunden meist mit einer Art Aufarbeitung verbunden, bei der man die wirklichen Gründe der inneren Verletzungen noch einmal untersucht, erkundet, möglichst sogar durchlebt. „You have to FEEL for it to HEAL“ (du musst es fühlen, bevor es heilen kann) – das ist ein Satz, den mir einmal eine Therapeutin in den USA als Quintessenz innerer Heilung erklärt hat.

Und so versuchen viele, die eine schmerzhafte kindliche Vergangenheit mit sich herumschleppen, ihren Schmerz ein für alle Mal zu überwinden, in dem sie ihn noch einmal hoch holen, um ihn dann loszulassen, gehen zu lassen, für immer zu heilen. Diese Erkenntnisse sind noch relativ neu, menschheitsgeschichtlich betrachtet. Das kam in den 70er Jahren auf und hat sich dann als beste Methoden für das Heilen innerer Wunden durchgesetzt. Auf die eine oder andere Weise ist das der am meisten verbreitete Ansatz.

Nach all den Jahren aber zeigt sich bei vielen, die nicht unbedingt ins Recht haben investiert haben (weil sie selbst mit diesen Methoden arbeiten, weil sie schon sehr viel Geld und Zeit in ihn investiert haben), dass dieser Ansatz nicht zielführend ist. Was bei tieferem Nachdenken auch nicht verwunderlich ist.

Wenn man von alltäglichen Körpererfahrungen ausgehen würde, wäre der Irrtum diese Methode schnell klar: Wenn du dich verletzt, sagen wir einmal, dich schneidest beim Kochen, dann wirst du zuerst einmal die Wunde säubern, dann eine heilende Salbe oder Ähnliches drauf geben und verbinden, damit die Wunde heilen kann. Aber dann musst du sie in Ruhe lassen. Und wenn das „Heilungsjucken“ anfängt, dann wirst du dich beherrschen und nicht wieder und wieder den Verband aufmachen wollen, nachsehen, ob es schon verheilt ist. Wenn du die Wunde immer wieder aufmachst, wird sie NIE heilen, sie wird immer schlimmer und immer tiefer werden. Dann wird sie nicht mehr zuheilen KÖNNEN.

Der yogische Ansatz ist klar: Erkennen, was los ist, dann vergessen: „Ein Weiser vergisst schlechte Erfahrungen sofort.“ Je intensiver ich alte Wunden durch aktuelle Situationen wieder erlebe und belebe, desto weniger wird deren Heilung möglich. Bei genauerer Betrachtung ist ja sowieso klar, dass unsere Erlebnisse jetzt NIE etwas mit Erlebnissen zu tun haben, die vielleicht vor vielen Jahren geschehen sind. Wenn ich meinem Geist eine derartige Interpretation meines Jetzt erlaube, dann werde ich immer wieder in diese alten Verletzungen zurückfallen, werde eine Heilung verhindern.

Als ich 50 wurde, war mir klar, dass ich nicht mehr genug Zeit habe für diese Altlast-Entsorgung. Es wurde mir klar, dass ich nur noch eine Aufgabe habe, mich selbst zu achten und zu ehren und zu lieben, uneingeschränkt. Mein Vater war gestorben, und sein Tod, auch schon die letzte Begegnung, die wir hatten, machte mir klar, dass all das, was einmal in meinem Leben geschehen war, jetzt nur mehr mein Eigenes ist. Und ich verlor jegliches Interesse dieser sogenannten Aufarbeitung.

Der yogische Ansatz ist kein verdrängender. Wenn wir einmal beim Schnitt in den Finger bleiben, dann ist schon klar, dass man nicht so tun kann, als wäre da nichts passiert. So ist auch im Yoga klar, dass man den Dingen und Ereignissen „ins Gesicht sehen“ wird. Aber dann wird man versuchen, Gedanken und Gefühle nicht immer wieder auf das Vergangene zu lenken. Wenn der Verstand sich in diese Rückwärtsrichtung begeben möchte, wird ein Yogi mit Mantra Japa und anderen Übungen, mit Kontemplation und starkem Verständnis seine Gedanken und Gefühle in eine andere Richtung lenken. Er wird die Erinnerung an das Vergangene nicht ständig auffrischen mit Projektionen von Gegenwärtigem auf Vergangenes.

Im Yoga ist diese Vergangenheitsbezogenheit eine Schwäche, unnütz und sicher keine Weise, um sich jenseits von Psyche Plus (Persönlichkeit + Denken und Fühlen + Handeln) zu erleben und zu erkennen. Es wäre für einen Yogi, eine Yogini wie altes Essen, das unendlich Mal aufgewärmt wird.

Jetzt bin ich Shiva, was juckt mich da, was in meiner Kindheit war? Lasst euch das auch von niemanden einreden. Was war, ist ja Gottseidank vorbei. Zieht es nicht immer wieder in eure Gegenwart.

 

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Die Linie, die kleiner wird.

Menschen erleben das Auf und Ab des Alltags als Probleme, Herausforderungen, Niederlagen und Siege.

Manche versuchen, möglichst keine Niederlagen zu erleben, und tun alles, um immer oben auf zu schwimmen. Ich behaupte einmal, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sich dieser Lebensansatz als nicht durchführbar offenbart. Schlauer sind schon die, die aus ihren Niederlagen lernen wollen, damit sie doch dazu kommen, nur noch zu „siegen“. Man merzt leidvolle vermeintliche Fehlverhalten aus, versucht sie nicht mehr zu wiederholen.

Spirituelle Menschen versuchen den Problemen (meist ist ja das Wort „Herausforderungen“ schon eine Methode, um das Ganze nicht so schlimm wirken zu lassen :)) einfach nicht zu beachten. Das geht mehr oder weniger gut, wohl prinzipiell eher weniger. Das hat seinen Grund. Wenn meine Probleme so präsent für mich sind und mich so sehr beschäftigen, dass ich spirituelle „Methoden“ anwende, um ihnen zu entgehen, dann bin ich ja auf der Ebene der Probleme und daher kann ich ihnen nicht wirklich gleichgültig gegenüber sein.

Wiederum liegt im Yoga die Lösung ganz wo anders. Es ist die Geschichte des Meisters Ram Tirth, der ein Mathematikprofessor um die vor letzte Jahrhundertwende in Indien war, die das präzise erklärt. Meine Meisterin hat diese Geschichte einmal in einem Vortrag erzählt. Er zeichnete mit der Kreide eine Linie auf die Tafel und trug seinen Schülern auf, diese Linie zu verkürzen…. ohne sie zu berühren. Für die Schüler eine unlösbare Aufgabe. Sie versuchten mit allen Tricks die Linie zu bearbeiten, nur um immer wieder von Ram Tirth auf die Aufgabenstellung hingewiesen zu werden: die Linie darf nicht berührt werden.

Die meisten Menschen bearbeiten die Linie, mit allen Tricks und Mitteln. Des Rätsels Lösung war einfach. Ram Tirth nahm die Kreide nochmals in die Hand und zeichnete eine längere Linie unter die Erste. Damit war diese kürzer.

Wenn wir uns von dem Auf und Ab nicht all zu sehr verunsichern lassen, es hinnehmen, ohne gleichgültig oder pessimistisch zu sein, und unsere Praxis weiterführen, (Mantra mit dem Atem verbinden und möglichst oft wiederholen, meditieren und bei Abschweifungen in der Meditation KOMMENTARLOS,während und nach der Meditation, wieder zum Atem und zum Mantras zurückzukehren, unser Verständnis ausweiten), dann wird durch den Segen der inneren Kraft von selbst die größere Linie sichtbar.

Man kann, das ist meine Erfahrung und das Ergebnis meines Studiums, das Leben nicht in den Griff kriegen, auf Dauer, und ganz sicher nicht bewältigen, in dem man an ihm „rummacht“. Aber wenn ICH mit der Zeit „auftauche“, dann ist das Leben, mit seinem auf und ab und seinen Gezeiten sogar mehr und mehr unterhaltsam. 🙂

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