Archiv der Kategorie: Der Yoga der Köperlichkeit

Im Angesicht

des sicheren Todes eines jeden Menschen ist das Leben absurd. Zielstrebigkeit, die Fähigkeit zu planen, das Gegenwärtige in die Zukunft zu projizieren sind schwerlich ernst zu nehmen, wenn man bedenkt, dass das Ende unseres Lebens in diesem Körper völlig unabhängig von allem ist, was wir im Leben für wichtig halten können.

Noch niemand hat wegen noch nicht zu Ende geführter Projekte Aufschub erhalten, so viel ich informiert bin. Dicke sterben genauso wie Dünne, Reiche wie Arme gleichermaßen. Wenn deine Zeit abgelaufen ist, dann nützt all dein Reichtum nichts mehr, all deine Intelligenz, dein Tatendrang und dein Ansehen bei anderen Menschen. Ihren Körper haben bisher noch alle verlassen, die in einem gewohnt haben, freiwillig oder per Rauswurf. Körperseitig ist das Ergebnis bei allen gleich. Am Ende musst du ausziehen.

Niemand fragt dich dann, ob es dir gerade in den Kram passt. Niemand interessieren dann deine Pläne, deine Vorhaben, dein Gestaltungswille, deine Kinder und die Tatsache, dass sie dich brauchen. Es ist völlig belanglos, ändert nichts an deinem Tod.

Ist das nicht faszinierend? Vielleicht denkst du dir jetzt, wenn du regelmäßig in diesem Blog liest, der schreibt doch immer wieder von diesem Thema, vielleicht hat er ja ein Problem damit. Vielleicht ist er vom Tod ja wie besessen. Du etwa nicht? Er steht dir sicher bevor. Viele traditionelle Kulturen ermuntern Menschen, sich damit zu befassen. Wenn man sich sogenannte Naturkatastrophen ansieht, dann wird die Absurdität des Lebens klar. Mitten in was auch immer du tust, kann es dich erwischen, jetzt, morgen, irgendwann. Und nur eines ist klar. Es WIRD dich erwischen.

Und was nützt es einem, wenn man das weiß, wenn man darüber nachdenkt? Ist das nicht zu tiefst deprimierend? Eben nicht! Es ist der größte, der beste, der herrlichste Witz, den man sich nur ausdenken kann. Wenn dir das wirklich klar ist, so wie dir klar ist, dass du existierst, ganz selbstverständlich, dann kannst du dich und deine Probleme einfach nicht mehr so todernst nehmen. Dann planst du vielleicht immer noch, aber doch mit einem Augenzwinkern. Dann erfüllst du und erkennst du deine Verpflichtungen, aber doch nicht mehr mit dieser Bürde von Verantwortung und Pflichterfüllung. Es wird viel lustiger.

Wer sich nicht Gedanken über seinen eigenen Tod macht, für den kommt das Sterben immer ungelegen, zeitlich und situationell unpassend. Auch mit 80, 90, 100 Jahren. Wenn dir der Körper gehörig auf die Nerven geht, wenn es dir immer mühsamer erscheint, in diesem Haus zu leben, wenn es dann so weit ist, ihn zu verlassen, dann passt es halt doch nicht so gut, gerade jetzt, in diesem Augenblick. Aber wenn dir klar ist, dass es gar nicht passen muss, wenn dir klar ist, dass durch dieses Ereignis, Tod genannt, alle anderen Aktivitäten ziemlich unwichtig werden, dann musst du nicht Zeter und Mordio schreien, nur weil es so weit ist. Dann hast du innerlich immer schon deine Koffer gepackt.

Vor Jahre bat mich einmal eine Kursteilnehmerin zu sich ins Krankenhaus. Ihr ging es schlecht, wurde mir gesagt. Als ich sie sah, war klar, dass ihr Körper am Ende war. Sie nicht. Sie war wach und ziemlich klar. Ein paar Sätze lang wollte sie mir noch von den Hoffnungen der Ärzte erzählen, was sie noch versuchen konnten. Ich musste fast lachen. Ich deutete auf ihren Haut-und-Knochen-Körper, mit großem aufgequollenem Bauch und sagte: „Glaubst du, das Ding wird je wieder werden?“ „Nein“, sagte sie, „wohl kaum.“ „Du hast doch ein gutes Leben geführt, du hast deine Pflicht als Mutter, als Partner, als Frau erfüllt. Es ist doch gut. Du kannst doch gehen.“ „Aber es ist so endgültig“, sagte sie.

Wer weiß das schon, und, wen juckt das? Menschen GLAUBEN an ein Leben nach dem Tod. Manche haben das so verinnerlicht, dass sie es „wissen“. Ist das wichtig? Ich finde gar nicht. Einmal kamen Schüler zu ihrem Zen-Meister und fragten ihn: „Meister, sprich mit uns über den Tod. Erzähle uns vom Tod.“ Der Meister erwiderte: „Ja, was soll ich sagen? Davon weiß ich nichts.“ Die Schüler waren erstaunt. „Aber du bist doch ein Zen-Meister!“ sagten sie. „Ja“, meinte er da, „aber kein toter Zen-Meister.“

Jetzt, schon heute und in deiner Situation hilft dir das Wissen darum, dass du aus deinem Körper früher oder später ausziehen musst, ob der Termin gerade passt oder nicht. Alle Verantwortung ist mit dem Moment vorbei, wenn du aus deinem Körper bist. Niemand kann dich dann anklagen, anzeigen, dich bestrafen, dich mobben, niemand kann dich beschenken mit Besitz oder Macht oder kann dir das wegnehmen.

Es gibt im Sanskrit eine Sutra, die übersetzt heißt: „Wie hier, so auch sonst wo.“ Deshalb ist es gut, hier und jetzt ein Leben zu führen, das nicht von heftigen Wünschen und Unzufriedenheiten geprägt ist. Du wirst keine Fleißbildchen bekommen, nur weil du es dir besonders schwer machst (und darunter dann auch noch besonders leidest). Hab keine Angst. Es WIRD zu Ende gehen. 🙂 Das ist die wirklich gute Nachricht. Und die schlechte, wenn du nicht bei Zeiten lockerer wirst. Denk daran: Gescheiterte und Erfolgreiche sterben gleichermaßen. Dumme und Superkluge sterben gleichermaßen. Alte und Junge sterben gleichermaßen. Hässliche und Schöne.

Wenn du die Unverhandelbarkeit deines Todes klar verstanden hast, dann musst du immer wieder schmunzeln, wenn du dir selbst bei den Mühen des Alltags zusiehst, bei deinen Wichtigkeiten und der Belastung deiner Unzulänglichkeiten. Dann wirst du dich immer weniger selbst klein machen, dich selbst nicht mehr verurteilen. Du wirst sehen, wie witzig das alles ist. Und wie die Tatsache, die wirklich einzige, die man im Leben als solche bezeichnen kann, dass dein letztes Stündchen irgendwann einmal schlagen wird, dir im Leben über Tiefen UND Höhen hinweghilft.

Seit mir das klar ist, verstehe ich die Worte meines Meisters: „Am Ende bleibt nur noch Lachen, Lachen, Lachen“ sehr viel konkreter als damals, als ich sie live aus seinem Munde hörte. Was für ein Spiel!

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Die Bedeutung und Auflösung der Elemente

In allen Kulturen haben Menschen von Elementen gesprochen, von grundlegenden Bausteinen es Daseins in dieser Welt.

Ich war noch ziemlich jung, als ich das erste Mal von den 5 Elementen im Yoga gehört habe. Als jemand, der in der westlich-wissenschaftlichen Tradition erzogen wurde, mutete die Vorstellung der fünf grobstofflichen Elemente schon sehr einfach und archaisch an. Wir lernten über 100 Elementen im Chemieunterricht, und jetzt sollten wir etwas über die fünf Elemente lernen. Und weil sie „grobstofflich“ hießen, war das Ganze noch etwas verwirrender.

Dann wurde aber klar, dass, obwohl wir von den fünf grobstofflichen Elementen, den maha bhutas sprachen, es sich doch um etwas ganz anderes handelte. Warum befassten wir uns damit? Wie passt da „Ich bin Shiva“ dazu? Sind Shiva die Elemente von Bedeutung? Ja, sind sie.

In vielen Yogaschriften, die darauf eingehen, wird davon gesprochen, wie ein Mensch auf dem Yogaweg die Schöpfungskaskade wieder zurückwandert, wie er oder sie jede Stufe der Schöpfung in sich sozusagen auflöst. Auch das war mir überhaupt nicht vorstellbar. Wie sollte das gehen? Bricht einem da nicht der Boden unter den Füßen weg? Heute kann ich sagen, nein, natürlich nicht. Es ist so, als würdest du dich immer weiter verfeinern, ohne die Tuchfühlung mit dem äußeren „normalen“ Leben zu verlieren. Anders ausgedrückt könnte man sagen, dass du dein Bewusstsein ERWEITERST (nicht nur verschiebst).

Die erste Ebene jenseits der chemisch-physikalischen Welt sind die fünf Elemente, die maha bhutas. Sie sind die Kräfte, die diese Welt steuern. Zumindest könnte man das so verstehen. Mit dem Auge sieht man Erde, eine Stoffansammlung aus Lebewesen, Mineralien, verrotteter Materie und vieles mehr. Aber Erde als Element ist das Feste, ist Geruch, ist Dichte, ist Schwere, ist Stabilität. Dieses Element wirkt in deinem Körper, aber auch in deiner Psyche. Ständig. Manchmal mehr, manchmal weniger. Wie überwindet man das Element Erde, wie „löst man es in sich auf“? Das hat viele, viele Aspekte, die für Menschen auf dem Yogaweg der Befreiung bedenkenswert sind:

Jemand, der, wie die meisten Menschen, die sich spirituell nicht entwickeln können (bei uns ist das auch ein Informationsproblem, man weiß ja gar nichts davon), vom Element Erde gefangen gehalten wird, ist allem mehr oder weniger verfallen, was damit zu tun hat: Wohlstand und Armut und alles, was damit zu tun hat: Wohnraum, Möbel, physischer Besitz, etc., Körperlichkeit (übermäßige Beschäftigung mit dem Äußeren, mit Gesundheit, mit Fitness, etc.), Haptik, also, wie etwas sich anfühlt, traumloser Schlaf, Trägheit, starke Heimatverbundenheit (man achte auf das Wort!). Was sonst hält uns fest, wenn das Element Erde nicht „erlöst“ in uns wirkt?

In der Meditation ist es auch das starke Festhalten an den physischen Begebenheiten: Nur wenn du immer an der selben Stelle sitzt, fühlst du dich wohl. Nur wenn dein Asana oder Decke richtig liegt und sitzt und riecht, kannst du meditieren, du verstehst, was ich meine. Überhaupt ist das wichtig, alles muss „richtig“ riechen, sich anfühlen.

Das Element Wasser, das nächst feinere Element, kennen wir alle gut: Natürlich ist es Wasser, H2O, das im der chinesischen Tradition „das freundliche Element“ genannt wird. Es ist instabil, in fließender Bewegung. Es ist das Element, aus dem unser Körper hauptsächlich besteht. Wasser als Element ist das Bindende. Mörtelpulver macht erst einmal gar nichts. Mit Wasser verbunden wird es eine formbare Masse, die Verbindungen und Bindungen schaffen kann, die lange halten. Wasser ist anhaftend, verbindend. Logischerweise wird diesem Element der Geschmacksinn zugeordnet, denn Geschmack wird von Flüssigkeit transportiert. Menschen, die vom Element Wasser gefangen sind, können nur schwer loslassen, sie sind Substanzen, Umständen, Menschen nicht nur verbunden, sondern von ihnen gefangen. Auf dem Yogaweg, wenn das Element Wasser sich in einem selbst „auflöst“, kann man sich binden, aber auch wieder loslassen. Die Fähigkeit, sich zu verbinden ist ganz anders als ein Verbundensein. Darüber könnte man gut nachdenken.

Das Element Feuer kennen kommt als nächst feineres Element. Es ist das Ergebnis unter anderem von Reibung. Feuer ist Licht, ist die Kraft der Transformation, der Verdauung, auf allen Ebenen, von Essen bis zu Gedanken, Gefühlen, Konzepten. Feuer wird als heiß, scharf, trocken, leicht und fein dargestellt. Feuer durchdringt. Ihm ist der Sehsinn zugeordnet. Wut, Zorn, Hass sind ihm zugeordnet, aber auch die Kraft, etwas zu verdauen, auch im übertragenen Sinn, etwas zu verarbeiten und zu transformieren. Menschen, die dieses Element noch nicht in sich „lösen“ konnten, sind voll vom Sehen überwältigt, von Licht, aber auch von Intellektualität, vom abstrakten Denken, von Theorien. Wenn dieses Element transformiert hat, dessen Intelligenz kann in Einfachheit leuchten, die ständige Unruhe der Augen ist nicht mehr zwangsläufig, er oder sie kann sie jeder Zeit abstellen. Die Furcht vor dem Dunklen verschwindet. Es gibt noch viele Eigenschaften mehr, die vom Feuerelement betroffen sind.

Luft ist das nächst feinere Element. Bewegung und Dynamik, Berührung und Unstetigkeit sind einige seiner Eigenschaften. Sie ist das Trocknende, das Leichte: Das Element Luft löst das Element Feuer aus. Es hält den Körper ständig in Bewegung. Wer ihm unterworfen ist, muss sich bewegen. Wenn dieses Element nicht assimiliert ist, treibt es deine innere Unruhe voran, immer mehr, immer intensiver. Man kommt, wie es so schön heißt, vom Hundertsten zum Tausendsten. Es hört nie auf, man ist total von Berührung abhängig, um sich lebendig zu fühlen. Wenn du dieses Element in dir auflöst, merkst du, dass diese prinzipielle innere Unruhe nachlässt, dein innerer Sturm kommt zur Ruhe, wenn du das willst. Was für eine Erleichterung macht sich in dir breit!

Das Feinste aller Elemente ist der Raum, auch das wird als Element gesehen, das Prinzip des Raumes. Ohne es gibt es keine Schöpfung. Manche Yogaschriften bezeichnen den Raum als das Erste aus der kosmischen Psyche entsteht. Im Raum findet Schöpfung statt. Für die meisten Menschen ist Raum so elementar, dass sie keine Erfahrung der Gefangenschaft im Raum haben. Es ist auch schwer vorstellbar, wie das wohl ist, wenn dieses Gefangensein aufhört. Es steht in den fünf Elementen für das Prinzip der Einschränkung, für Klang, für Hören. Klang, der jeden direkt betrifft. Wie will man Raum integrieren, in sich auflösen. Was heißt „frei von Raum“?

Darüber gälte es nachzudenken, zu forschen. Die fünf maha bhutas, die großen Elemente, sind wie die Eingangstüren in inneren Welten.

In der Natur, der Kraft der maha bhutas, ist ihr Studium etwas einfacher, in der Stille , in der Balance.

Zu Ostern werden wir das heuer untersuchen.

 

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Gedanken und Gesundheit oder: denk dich gesund?

(Das ist EIN Lernprozess, den wir zu Ostern im Kurs bearbeiten werden)

Also, besonders in spirituellen Kreisen ist doch allen längst klar, dass es die Macht der Gedanken gibt. Es scheint manchmal in aller Munde oder zumindest in allen Köpfen herumzugeistern, diese Idee, dass Unglück, dass Lebensprobleme und ja, auch körperliche Probleme nichts anderes sind als fehlgeleitete Gedanken, die man durch „richtige“ Gedanken korrigieren kann und daher auch sollte.

Erst mal: welche Entlastung des allgemeinen Gesundheitssystems! Die Verschwörungsbeschwörer sind sich auch klar darüber, warum das bei uns noch nicht die Runde gemacht hat: Alle Ärzte und die ganze Pharma-Industrie wäre ja auf einen Schlag arbeits- und mittellos.

Also, verkaufen viele, viele Rattenfänger diese Theorie. „Denk dich gesund“, etc. Vor kurzem hat mich eine Frau in einem Kurs darauf angesprochen und meinte, das Altern und alle Krankheiten seien ja wohl doch eine Einstellungsfrage, eine Frage des Denkens und der persönlichen Macht über das Denken.

Folgerichtig, sind alle, die da noch krank sind, spirituell unter-, fehl-, minder- oder gar nicht entwickelt.

Schweigt daher lieber mit euren Wehwehchen, behaltet euer Leid für euch, wenn ihr nicht Gefahr laufen wollt, dass es allen, die sich wirklich auf diesem Gebiet auskennen, sonnenklar ist, dass du halt nicht richtig meditieren kannst, du deinen Weg wohl eher als sporadische Spaßveranstaltung betreibst, oder, was dann noch schwerwiegender ist, dass du einen Guru hast, der entweder keine Ahnung hat, was mit dir los ist oder nicht die Kraft hat, dir zu helfen, oder, beides.

Habt ihr einmal darüber nachgedacht, warum das für dich (und mich und alle anderen) nicht funktioniert, das mit dem Sich-gesund-denken, Sich-reich, schön, oder irgendetwas anderes zu denken?

Da ich, wie erwähnt, immer wieder davon höre, gehe ich einmal davon aus, dass es dich betrifft, vielleicht nicht jetzt, wo du das liest, aber, und das vermutlich zunehmend mit den Jahren, sicher bald wieder, wenn es dir körperlich nicht so gut geht.

Du nimmst zu, obwohl du nicht mehr oder anders isst? Dann DENK dich doch dünn. Das geht nicht? Tja…. siehe oben.

Ein wesentliches Missverständnis liegt dieser Denkweise zu Grunde. Die im Yoga klar formulierte Entstehung unseres Jetzt-Zustands kann uns hier zu Klarheit verhelfen.

Erst einmal kann man sagen, dass es richtig ist, dass die Hardware, der Körper, von der Software, dem Geist, gesteuert wird. Mehr noch, und da hinkt meine Hardware-Software-Wortwahl: der Körper entsteht aus dem Geist, vielleicht wie ein Muster, das man mit Metallspänen um einen Magnet erzeugen kann. Das Bild entsteht durch den Magnetismus. Und hier ist wiederum das Beispiel nicht ganz zutreffend, denn die Metallspäne, das Muster, um in der Sprache des Bildes zu bleiben, der Magnet und der Magnetismus sind alle materialisierter Geist, oder nicht einmal das. Sie sind alle eine Kraft, eine Realität, Ich, nicht einmal Formen von mir. 

Aber wenn ich mich aus der unbeschreiblichen Stille, aus dem Einmaligen mit aller vorstellbaren Wonne nach außen wende, fließe ich über in die ekstatische Kaskade der Schöpfung, mit der ich mich aus dem Feinsten, aus der „makellosen Stille“ in immer mehr Schwingungen, Töne, Formen, Geschichten, Materialien verpuppe. Nach außen begebe ich mich in die Vielfalt, gebe dabei alle Macht über meine eigene (!) Schöpfung auf und kreiere das Unglaubliche, das Unfassbare: OHNMACHT, Leid, Missverständnisse, Gut und Böse, Verbrechen, Dummheit, Gier in allen Facetten, Liebenswürdigkeit, Zuneigung, Respekt, Freundschaft und alles, was wir kennen und nicht kennen und zu kennen glauben.

Wenn ich mich dann auf den geistigen Weg mache, dann trete ich, wie das der Yogameister Kshemaraja aus dem 10. Jh. nannte, meine Heimreise an, ich trete aus meinem Pseudo-Ich heraus und erkenne mich, wie ich wirklich bin. Pratyabhijna, Wiedererkenntnis, nennen das die Shiva-Yogis aus Nordindien.

Seid ihr noch bei mir? Ist das einigermaßen klar?

Die Frage nach Krankheit, nach Leid, nach Heilung, nach Besitz, nach Schönheit, etc. etc. – da kann man alle möglichen menschlichen Verlangen einfügen – taucht natürlich ständig auf, wenn man den Weg geht, zumindest am Anfang. Sie ist ein klares Indiz für die OHNMACHT dessen, der seine geistigen Fähigkeiten zur Erfüllung dieser Wünsche benützen möchte. Ist das verständlich? Nur wer gefangen ist auf der Ebene der Begrenztheit der Fähigkeiten, der Armut von Shakti (Energiearmut), wie das die Yogis nennen, möchte diese Ebene „korrigieren“ und ist folgerichtig (!) nicht in der Lage, das zu tun. NIEMAND, der das will, KANN DAS! Das ist nur allzu logisch.

Wenn es im Laufe dieser „Heimreise“ möglich ist, die Ebene der Physis wirklich durch den Geist, durch gezielte Gedanken und Gefühle zu reparieren, ist die Erkenntnis, ich bin Shiva vorherrschend. Und wieso sollte Ich etwas ändern, was ich bewusst, vollkommen, uneingeschränkt, so, wie es ist, bewirkt habe? Wenn die Umgestaltung der eigenen Schöpfung möglich ist, wenn wir eine derartige Bewusstseinsebene erreicht haben (wo ist dann „wir“ oder „ich“ oder „du“), wie können wir dann überhaupt noch auf die bloße Idee kommen, etwas zu ändern?

Auf der Ebene, wo es zwickt und zwackt, wo wir leiden, es weh tut, unser Körper mit Mühe alt wird, und wo wir darunter leiden, stellt sich gar nicht einmal die FRAGE, was wir mit unseren Gedanken machen können, um das zu ändern. Auf dieser für normale Menschen alltäglichen Ebene gibt es maximal die Sehnsucht nach „Dein Wille geschehe“. Das ist für den begrenzten Willen die höchste Form der Verwendung. „Möge ich in allem und immer deine Hand, deinen Segen sehen, möge alles, was ich tue, dir dienen und dich verehren“ (siehe letzter Vers der Shiva Manasa Puja).

Wir versuchen, gesund zu leben, damit wir nicht allzu viel Kraft für das Erdulden aufwenden müssen, damit wir von unserem Körper in Ruhe gelassen meditieren können. Oder wir nehmen hin, was wir im Körper mehr oder weniger direkt verursachen und was unsere Genetik daraus macht.

Habe ich das verständlich beschrieben? Bei Rückfragen werde ich gerne dieses Thema weiter ausbreiten.

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Das größte Wunder dieser Welt – Nachspiel

Dieser Beitrag ist eine Antwort auf einen Kommentar von Philipp zu meinem Beitrag „Das größte Wunder dieser Welt“, der sich mit dem Tod befasst. Philipps Frage finde ich wichtig und ich bin froh, dass er sie gestellt hat.

Hallo vamdev,
ich freue mich, dass Du das Thema hier aufgreifst. Ich habe schon öfter über dieses Thema nachgedacht und auch studiert. Ich sehe da eine Schwierigkeit: Graceful exits beschreibt, wie voll entfaltete Meister gestorben sind. Andere Schriften beschreiben, dass der Meister dich begleitet. Wieder andere sagen, es wäre wichtig so zu leben, dass du nichts bereust. Mir fällt es schwer, darin eine pragmatische Lösung für das Problem der eigenen Sterblichkeit zu finden. Wenn sich ein Boxer auf einen großen Kampf vorbereitet, dann ist sicher nicht die Hauptarbeit, darüber zu lesen, wie andere Boxkämpfe gewonnen haben. Weiter wird er sich auch nicht darauf beschränken, so zu leben, dass er es nicht bereut brutal verprügelt zu werden. Ich sehe hier den Weg nicht. Was wäre eine sinnvolle Vorbereitung? Danke und ganz liebe Grüße

Lieber  Philipp,

das Beispiel mit dem Boxer ist das Problem. Das funktioniert nicht beim Thema „Tod“. Viele Dinge stimmen da nicht. Sterben ist für die meisten Menschen ein Kaltstart. „Für alle“ kann man auch sagen, aber das weiß ich halt nicht wirklich. Und wie bei Kaltstarts üblich, kann man nicht so einfach auf selbst gemachte Erfahrungen zurückgreifen. Dann sucht man nach Ähnlichem: Tiefschlaf soll sich ähnlich anfühlen. Man beschäftigt sich mit den Aussagen von Menschen, die vielleicht generell als weise gelten, also auf anderen Gebieten sich als wissend und erfahren ausgewiesen haben.

Und wer weiß schon Bescheid? Es gibt die Geschichte eines Zen-Meisters, der von seinen Schülern gebeten wurde, etwas über den Tod zu erzählen. „Darüber weiß ich nichts“, war seine Antwort. Darauf die Schüler: „Aber du bist doch ein Zen-Meister!“ „Aber kein toter Zen-Meister“, war seine Antwort.

Das Einzige, was ich auf Grund dieser misslichen Kaltstart-Situation als sinnvoll erachten kann, ist wirklich, über den Tod zu lernen, von Meistern und Weisen, die sonst auch stimmig und nachvollziehbar lehren.

Dann ist da natürlich auch noch der körperliche Alterungsprozess. Mit ihm und anderem körperlichen Leid ist der Tod eher eine Verheißung als eine Bedrohung (wie etwa bei einem bevorstehenden schweren Boxkampf). Solange dieser Prozess noch im Erträglichen abläuft, mag auch die Aussicht (wie mein Meister das nannte) „auf einen jungen, frischen Körper“ verlockend sein, und daher die Beschäftigung mit Karma und Reinkarnation als Verdrängung von möglicher Endlichkeit tröstlich sein. Aber wenn das Ding, das wir Körper nennen, nur noch Stress macht und Mühe, dann ist man schon froh, das endlich los zu sein. Was auch immer danach passiert.

Aber bei vielen bleibt doch die Angst. Da man auf dem Yogaweg lernt, dass Gefühle und Gedanken in uns sind, kann man ja lernen, zu wählen, was in uns im Alltag abläuft. Und, ganz egal ob endlich oder weiter reinkarnierend, ich kann mich trainieren, Freude zu empfinden, ich kann Gelassenheit trainieren oder kann mich mit Angst wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten.

Es gibt viele logische Gründe von einer Fortführung von Unvollendetheiten auszugehen. Die Idee des Weiterexistierens nach dem Tod ist eine entsprechende Folge dieser Gründe. Aber WISSEN, wie ich weiß, dass es draußen gerade 2 Grad hat, wer kann das schon mit Fug und Recht von sich behaupten? Ich gebe für mich zumindest zu, dass mir das auch egal ist. Für mich ist das Wissen um meinen Tod, und da hoffe ich jetzt, niemanden zu verstören, einzig und allein dazu da, mich daran zu erinnern, dass ich mein Leben genießen muss, dass ich meine Zeit nutzen möchte, um mich wohl zu fühlen und glücklich zu sein. Enjoy the Ride!

Ich hoffe, das nützt. Alles Liebe und danke für diese direkte Frage (würde auch nichts anderes von dir erwarten :)!

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Das größte Wunder dieser Welt

In der Mahabharata, dem größten (zumindest vom Umfang her) Epos der Menschheit, wird der Weise Yudhisthira gefragt, was wohl das Erstaunlichste auf dieser Welt sei. Er antwortete: „Dass ein Mensch, der andere ständig um sich herum sterben sieht, nie daran denkt, dass er sterben wird.“

Vor vielen Jahren hörte ich diese Geschichte und habe sie immer wieder in meinen Kursen erzählt. Vor ein paar Tagen hörte ich, dass ein Schüler meiner Meisterin, den so manche LeserInnen dieses Blogs auch kennen mögen, gestorben ist, an Krebs. Ich habe das gehört und dann überlegt, wie gut ich ihn kenne und dann einfach weiter gemacht, mit meinem langsamen Sonntag. Dann traf es mich auf einmal. Langsam komme ich in ein Alter, wo auch schon statistisch der Tod mehr und mehr zur unmittelbaren Zukunft gehört.

Kennst du das vielleicht? Immer öfter liest du von Sterbemeldungen bekannter Leute, die du noch kanntest, als sie ziemlich jung waren. 🙂 Und so fiel mir auch heute wieder dieser Satz ein. In unserer Kultur konzentriert sich alles in der ganzen Angelegenheit des Todes und des Sterbens auf das Sterben. Wie kann es möglichst schmerzfrei sein, wie kann ich das Sterben beeinflussen, etc. etc.? Allerdings ist doch der Tod das viel einschneidendere Ereignis. Ja, magst du entgegnen, aber am Tod kann ich nichts ändern, nichts machen, der kommt einfach. Warum sollte ich über unausweichliche Dinge nachdenken?

Zuerst einmal stimmt es ja vielleicht gar nicht, dass der Tod einfach so kommt und du nichts machen kannst. Das ist als hättest du einen Auszugstermin aus deiner Wohnung erhalten, und du überlegst nur kurz, in welcher Methode du diesmal packen wirst, bemühst dich aber nie um eine andere Wohnung.

Was kann man denn da schon unternehmen, mag sich manche(r) hier denken. Man könnte sich zumindest einmal damit befassen, was andere Kulturen dazu gesagt haben. Die meisten Kulturen auf dieser Welt verstehen sehr wohl, dass der Tod ein wesentlicher Faktor des Leben ist. Je klarer diese Kulturen mit dem Tod umgehen, desto eher befassen sie sich auch mit dem Tod als Zwischenstation.

Da magst du mühe abwinken, „alles nur Spekulationen“. Wir spekulieren über Klimaveränderungen auf einem Planeten, der nach unseren Spekulationen über 4 Milliarden Jahre alt ist und alle möglichen, uns sicher völlig unbekannten Veränderungen durchgemacht hat. Wir beschäftigen uns mit Zeiträumen, die in keiner Weise erfühlbar sind, als würden wir uns auf dem Boden von Fakten und Realität bewegen. Aber wenn es um diese Fragen geht, die wiederum für andere Kulturen mindestens so sehr Fakt sind wie für uns zum Beispiel das oben genannte Alter der Erde, dann sehen wir darin nur Spekulationen.

Helfen würde bei diesem Thema, wenn wir es einmal als beschäftigungswert erkannt haben, wirklich schon bloß die Beschäftigung. Der Tod ist die stärkste Realität im Leben. Alles andere ist mehr oder weniger unsicher: Gesundheit, Erfüllung, spirituelle Entfaltung. Dem gegenüber ist der Tod eine fixe Größe. Letztens habe ich eine schöne medizinische Beschreibung von einem Wissenschaftler gehört, der erklärte, körperlich abläuft, damit der Körper den Tod erfahren kann. Das wäre zum Beispiel mal ein Anfang. Recht einfach zu erforschen, wenn man das Internet benützt.

Dann könnte man sich darüber informieren, wie spirituelle Meister oder Yogis sterben, die Erleuchteten und auch die noch nicht so ganz Erleuchteten. Manche LeserInnen haben Erfahrung mit dem Prozess des Sterbens, von ihrer Arbeit her oder weil sie beim Tod anderer Menschen anwesend sein konnten. Ich halte das für ein großes Lebensgeschenk, da mit dabei sein zu können.

Der Tod als Fixstern des Lebens würde vieles ins rechte Licht rücken, wenn wir das dann endlich einmal akzeptieren würden. Ich finde schon allein die Tatsache bemerkenswert, dass alle Bemühung um das Ansammeln von materiellen Dingen im Tod ohne Belang ist. In einer materialistischen Kultur eher eine erschreckende Einsicht. Kein Haus, kein Auto, keine Schmucksammlung und kein Aktienpaket verschwand mit dem Tod seines Besitzers/seiner Besitzerin bisher, meines Wissens nach, spurlos von dieser Erde. Auch dann nicht, wenn der Leichnam eingeäschert wurde und die Asche in alle Himmelsrichtungen zerstreut wurde.

Zumindest DAS, so denke ich, ist allen klar. Aber ändert es etwas am Verhalten der Menschen? Gut, magst du dir sagen, ich bin Yogi, Yogini. Ich habe nicht so große Sorgen, was den Tod betrifft. Das mag so richtig sein: Sorgen machen nützt da wenig. Aber weißt du, was beim Tod passiert, wie das geht? Wie haben andere Yogis, Meisterinnen das gemacht?

Was bedeutet der Tod für dein Leben? Geradeaus weiter rasen, bis die Klippe kommt und du runterfällst? Oder deine Wichtigkeiten überdenken? Was mich dabei immer fasziniert, ist die Art und Weise, wie ausentwickelte Menschen, die Heiligen und Meister, dem Tod gegenüber traten, ihn behandelten, was sie sagten und was sie taten, wenn sie dem Tod ins Angesicht sahen.

Wer des Englischen mächtig ist, der lese „Graceful Exits„. Denkst du darüber nach, wenn du einschläfst? Ich fände es wunderschön, wenn dieser Blog auch eine Art Forum wäre, in dem wir unsere Erfahrung mit dem Tod anderer miteinander teilen.

Alles Liebe!

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Der gewürzte Getreidebrei (ein schon lange versprochenes Rezept)

Wer schon einmal einen längeren Kurs mit mir mitgemacht hat, kennt vom Frühstück bestimmt schon diesen gewürzten Getreidebrei, den ich zum ersten Mal bei meinem Meister gegessen habe.

Hier ist also das Rezept. Einige Zutaten bekommt man am Einfachsten in einem Indien- oder sogenannten Asia-Laden. Aber man kann sie bestimmt auch online bestellen.

Der gewürzte Getreidebrei (Frühstück)

 

  • 150 gr.                     Hirse oder Haferflocken (grob)
  • 1 mittelgroße        Zwiebel (gehackt)
  • 1 – 2                           Tomaten (gehackt oder püriert)
  • 20 gr.                       Ingwer (fein gehackt)
  • 1                                 Knoblauchzehe (fein gehackt)
  • 1 cm                          Abschnitt von einer Chillischote

„Magic“ (Angebratene Gewürze)

  • 1 EL                            Ghee (geklärte Butter)
  • 2 Prisen                   Senfkörner (schwarz oder braun) im Asia/Indien-Laden (die schwarzen SK)
  • 1/2 TL                      Kreuzkümmel ganz; Asia/Indien-Laden (preiswert)
  • 1/2 TL                      Bockshornkleesamen (Methi), ganz; Asia/Indien-Laden
  • 1 Prise                     Oreganosamen (Kalonji), ganz; Asia/Indien-Laden
  • 3                                Curryblätter (frisch oder getrocknet); Asia/Indien-Laden
  • 1 EL (gestrichen) Kokosflocken oder Kokosmilch
  • 1 TL                         Rosinen
  • 1                                Dattel (entkernt)
  • 1/2 TL                    Sambar Masala oder Garam Masala   Asia/Indien-Laden
  •                                   Cilantro oder frischer Koriander
  •                                   Sahne, zum Verfeinern;
  •                                   Hefeflocken oder Hefepaste;
  • 750 ml                   Wasser


Ghee in zergehen lassen und dann mit dem „Magic“ beginnen. Zuerst die Senfkörner, warten, bis sie anfangen (!) zu platzen, dann gleich den Kreuzkümmel, die Oreganosamen, Bockshornkleesamen, Kokosflocken (falls du sie verwenden willst; die Kokosmilch kommt erst mit dem Wasser dazu) und die Curryblätter hinzugeben, nur sehr kurz aufbraten. Bitte darauf achten, dass die Gewürze nicht verbrennen, da muss man sehr aufmerksam dabei bleiben. Dann die gehackte Mischung aus Ingwer, Knoblauch und Chillischote hinzugeben, etwas anbraten, dann die gehackten Zwiebel dazugeben, dann das Salz und wieder umrühren und anbraten lassen. Wenn die Zwiebel glasig werden, das Wasser hinzugeben, dann die Hirse. Aufkochen lassen, dann auf niedriger Temperatur weiter köcheln lassen.

In der Zwischenzeit die Tomaten mit der einen Dattel und dem frischen Koriander pürieren (wie fein ist Geschmackssache). Zu welchem Zeitpunkt diese Mischung hinzugefügt wird, beeinflusst den Geschmack erheblich. Zu Mitte des Garungsprozesses des Getreides (bei Hirse länger, bei Haferflocken weniger lang), dann sind die Tomaten am Ende durchgekocht und auch der frische Koriander schmeckt nicht so stark heraus. Am Ende schmeckt man die Frische der Tomaten und auch den Koriander deutlicher. Die Hefe (als Paste oder Flocken) am Ende untermischen.

Variationen:
Man kann die Tomaten fein hacken, und auch den Koriander. Die Tomaten würde man dann mit dem Getreide aufkochen (später auch möglich, siehe oben) und den Koriander erst wenn die Flamme/Herdplatte aus gemacht ist dazugeben. Die Hefe ist aber nicht unbedingt notwendig. Mein Meister servierte sie uns immer zu seinem „sour cereal“, wie er es nannte.

Wenn der Geschmack des Getreidebrei zu „rustikal“ ist, der kann ein wenig Sahne dazugeben. Die Salzmenge ist natürlich ganz individuell, ich musste etwas nachsalzen, andere werden vielleicht von Anfang an weniger Salz verwenden. Sambar Masala oder Garam Masala: es könnte sein, dass man auch andere Gewürzmischung verwendet. Es gibt sehr viele in der indischen Küche, meist mit ganz unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Das ist also auch Geschmackssache.

Vielleicht ist dir der Brei bei diesem Rezept zu dick. Dann weniger Getreide verwenden. Mit feinen Haferflocken kann man auch noch kurzfristig die Konsistenz verdicken. Es wäre auch Cinoa, Teff (ein äthiopisches Getreide), Polenta oder Couscous (wenn es schnell gehen soll) möglich.

Guten Appetit!

 

 

 

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Körper – Gewand und Identität

Es ist schon erstaunlich, wie vollständig und lückenlos die meisten Menschen sich und vor allem andere als Körper wahrnehmen. „Kleider machen Leute“, heißt es bei uns, und das kann man genauso gut auf den Körper anwenden.

Ich hatte ja vor einiger Zeit beschlossen, aus verschiedenen Gründen eine radikale Fastenkur von ca. 30 Tagen zu unternehmen (jetzt werden es wohl nur 25 Tage werden). Ganz normal ist bei so einem Unterfangen, dass man abnimmt. Manchmal auch ziemlich radikal, bei mir bisher 15 kg, was schon enorm den „Tragekomfort“ erhöht, aber das ist ja nichts Überraschendes.

Für mich, der das Teil trägt, hat sich genau dieser Aspekt meiner Körpererfahrung geändert. Sehen tue ich das ein paar Mal am Tag, vielleicht, im Spiegel. Sonst ist der, der aus den Augen rausschaut, sicher nicht 20% weniger! Wir wissen das alle. Aber was ich erstaunlich empfinde, ist, dass dieses Wissen nicht durchdringend ist. Das Körpergewand ist immer noch unsere bedeutendste Quelle des Austausches untereinander.

Das hat in erster Linie mit Durchdringung zu tun. Viele, die diesen Blog lesen, wissen nur zu genau, dass sie nicht der Körper SIND, sie ihn nur haben, und ihn vielleicht auch lieben oder nicht so sehr lieben, wie du vielleicht ja alles, was du hast, nicht nur magst oder ablehnst. Manches gefällt dir, manches nicht. Ich bin auch gar nicht der Meinung, dass man immer alles am Körper lieben muss oder sollte. Wenn man die Gebrauchsanleitung zur Verfügung hätte, könnte man auch entsprechend einwirken, damit die Körpererfahrung möglichst gut ausfällt. Leider kennt niemand wirklich diese Anleitung :). Oder, die die sie kennen, lassen den Körper einfach Körper sein.

Und doch, wenn sich jemand körperlich sehr stark verändert hat, dann sehen wir DAS meistens zu erst, die Besitzerin oder den Besitzer nehmen wir dabei kaum wahr. Viele sind auch davon überzeugt, je nach Indoktrinierungsgrad, dass der Zustand unseres Körpers etwas über unser geistig-spirituelles Niveau aussagt (ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, etc.). Obwohl wir über die Genetik, die Umwelteinflüsse, etc. inzwischen so viel erfahren, hält sich das hartnäckig. 

Besonders klar zeigt sich diese Identifikation mit dem Körper als ICH in viele therapeutischen Ansätzen, die heute so am Markt sind. Verschiedene Autoren haben zu diesem Thema ganz Übersetzungssysteme entwickelt, mit denen sie auf die geistigen Zustände ihrer Besitzer rückschließen wollen, um ihnen Heilungsmöglichkeiten zu verkaufen. Also, wer zum Beispiel im unteren Rücken Schmerzen hat, der hat sicher gerade sehr große existenzielle Probleme, fühlt sich wahrscheinlich unsicher und nicht unterstützt. Das alles scheint so logisch und einleuchtend zu sein.

Wie froh sind viele, wenn sie jemanden finden, der mit diesen scheinbar logischen, nachvollziehbaren Interpretationen vorgibt, die Gebrauchsanleitung zu kennen! Welch eine Verwirrung! Genauer betrachtet ist es nur die Hilflosigkeit der meisten dieser „Heiler“, zuzugeben, dass sie die technische Gebrauchsanleitung einfach nicht kennen. Mit diesen „Was-bedeutet-was“-Spielchen, die sich die meisten selbst gerne glauben, weil man das einfach wie ein Wörterbuch auswendig lernen kann, entsteht diese Pseudo-Ahnung über das Wunder dieses grandiosen Instruments, Körper genannt.

Dass Menschen systematisch Rückschlüsse auf das Sein von Menschen aus deren körperlichem Befinden ableiten, zeigt, wie tief, auch intellektuell, diese Identifikation mit dem Körper bei uns ist.

Bei sogenannten „normalen“ Menschen ist das gut zu verstehen: Nach außen gerichtetes Bewusstsein wird wohl nicht anders KÖNNEN, als sich mit allen möglichen Dingen und Ideen zu identifizieren. Aber für Yogis und Yoginis ändert sich das. Mit der Zeit verstehen wir nicht nur, dass wir so ganz und gar nicht unser Körper sind, sondern vielmehr, dass wir auch nicht unsere Gedanken und Gefühle sind. Aber bis uns diese Erkenntnis durchdringt, dauert es wohl etwas. Das erlebe ich jetzt sehr deutlich.

Und wie immer gilt es auch da, mit der yogischen inneren Transformation Geduld zu haben. Verständnis, auch das, dass du einen Körper hast und er nicht bist, und dass ein Körper NIE etwas Wesentliches über seinen Träger aussagt, muss immer wieder geübt werden.

Mein Meister sagte uns oft, dass er, wenn er jemanden begegnete, immer zuerst das Licht sah, dass alle und alles durchdringt, und dass erst danach die Hülle sichtbar wurde.  Das ist eine Erkenntnis, die nicht „vom Himmel fällt“, sondern die eingeübt werden will.

Einen wunderbaren Tag wünsche ich euch!

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