Archiv der Kategorie: Yoga-Verständnis

Wenn dein Leben voller Aufgaben ist…

heißt das noch lange nicht, dass diese Fülle in dir einen Sturm der inneren Unruhe auslösen muss. Natürlich, wenn du wie alle anderen Menschen denkst und lebst, dann ist das zwangsläufig die Folge. Dann musst du aufpassen, dass du keine Burn-out hast, dass du nicht psychische Probleme bekommst, dass du nicht krank wirst, von all der Überlastung.

Aber für jemandem auf dem Yogaweg ist das nicht zwangsläufig so. Wieso nicht?

Weil wir lernen und immer wieder hören und uns immer wieder daran erinnern, dass das, was „außen“ läuft, nicht zwangsläufig auch in uns stattfinden muss. Ist dir klar, was das bedeutet? Das Leben ist wechselhaft, für alle Menschen. Wie das Wetter. Kurzfristige Änderungen und langfristige Entwicklungen. Das ist ganz normal, ganz gleich, welchen yogischen Zustand man errungen hat. Musst du deshalb auf den innere „Oh mein Gott, was soll ich nur machen“-Modus umschalten? Natürlich nicht, wenn du dir das, was ich yogische Psychologie nenne, angeeignet hast.

Wenn du verstehst, wie deine Psyche wirklich funktioniert, wenn du lernst, dieses erstaunliche Instrument zu verwenden, dann musst du nicht auf diesen Modus umschalten. Die nordindische Yogatradition, auch Shivaismus aus Kaschmir genannt, versteht die Psyche als reines Ich-Bewusstsein, das sich immer mehr verengt und einschränkt. (Prajnabhijna hrdayam, Vers 5) Diese Verengung und Zusammenziehung, so wird gelehrt, findet statt, wenn die Psyche sich nach außen richtet, auf (und jetzt wird es interessant) von ihr selbst nach außen projizierte „Objekte“, deren Form sie dann annimmt. Zu kompliziert? Dann lass uns das genauer ansehen.

Bewusstsein hat, wenn es „bei uns“ angekommen ist, also sich individuell ausformt, zwei Bewegungsrichtungen. Nach „außen“ und nach „innen“. Ich schreibe das in Anführungsstrichen, weil diese Bewegung nur scheinbar ist. Wenn sich die Psyche die „Objekte“ selbst erzeugt und dann darauf ihre Aufmerksamkeit richtet, dann ist dieses Nach-außen-Gerichtetsein ja nicht wirklich. Es ist wie ein Selbstgespräch, wie ein Tagtraum, den wir als solchen, also als Tagtraum, sehen können oder auf dem und mit dem wir reagieren können, als hätte wir eine objektive, faktische Wirklichkeit erlebt.

Nach „innen“ geht es dann, wenn wir erkennen, dass ein „Außen“ nicht wirklich existiert und nur eingebildet ist. Ja, genau, das bedeutet in erster Linie „sich nach innen richten“. Eine derartige Erkenntnis muss natürlich stabilisiert werden, durch die Praxis von Meditation und Mantra-Wiederholung (das ist wirklich die einfachste Methode der Stabilisierung). Die yogisch letztendliche Erkenntnis, dass alles was ist, war, sein wird und alles, was nicht ist und nicht sein wird, von mir ausgeht, ist der Endpunkt auf dem Weg der Verinnerlichung. Es geht also darum, sich von einer Illusion zu befreien.

Ich kann das gar nicht genug betonen. Erst wenn man das wirklich einsehen kann, begreifen kann, dass das „Außen“ nur durch Einbildung und Vergessen (dass es sich nur um eine Einbildung handelt) von dem, was wirklich ist, entsteht, fängt die Heimreise an. Ein großer Meister aus dem 10 Jh. beschrieb das so, als Heimreise. Solange ich aber meine, dass doch ganz bestimmte Dinge doch unabhängig von mir im Außen existieren, kann ich keinen tieferen Einblick in meine Wahrheit, meine Wirklichkeit nehmen.

Hast du Fragen dazu? Dann stell sie hier. Alles Liebe

 

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Der wahre Geschmack der Welt

Einmal trafen sich Buddha, Shankaracharya, der große Meister des Vedanta, und Abhinavagupta, der Shaivaguru, im Himmel. Ein Engel kam und reichte ihnen ein Getränk und sagte: Das ist das Getränk der Welt. Kostet es und sagt mir, wie es schmeckt.

Als Erster kostete Shankara und spuckte angeekelt wieder aus und rief: Schmeckt einfach nur schlecht. Als nächstes war Buddha an der Reihe. Der Engel reichte ihm den Trank und Buddha nahm einen Schluck. Völlig regungslos bemerkte er: Schmeckt nur nach nichts. Völlig geschmacklos.

Dann war es an Abhinava, zu kosten. Er nahm dem Engel den Becher aus der Hand und trank ihn in einem Zug und sichtlich genüsslich leer. Auch ihn befragte der Engel: Warum hast du mit solchem Genuss getrunken? Abhinava lachte und sagte: Der Geschmack der Welt ist genauso gut oder schlecht oder ganz ohne Geschmack, je nach dem, wie man ihn haben will.

Meine Meisterin sagte uns einmal: Wenn du nach Problemen suchst  wirst du unendlich davon finden. Wenn du nach dem Guten suchst  wirst du unendlich davon finden. Es liegt an dir, was du finden willst. So ist es. Ja, klar, magst du jetzt vielleicht sogar genervt abwinken. Wissen wir doch alle. Aber das dann auch konsequent leben können,  das ist noch etwas ganz anderes. Wie kann man diese Kluft zwischen Wissen und Können überwinden?

Wenn es auf diese Frage so eine richtig glatte, einfache Antwort geben würde, würden die meisten Menschen ihren geistigen Weg zu Ende gehen, was ja nicht der Fall ist. Die Worte der Antwort sind schon einfach: Wenn du weiter dein Mantra praktizierst, meditierst, ernsthaft, mit dieser ganz speziellen Entschlossenheit, die auch flexibel ist, wenn du studierst, über das, was du studiert hast, immer wieder nachsinnst, wenn du kein Problem damit hast, einen Guru zu haben, dann wird dieser Spalt, diese Kluft mit der Zeit verschwinden. Du wirst entdecken, dass immer weitere Bereiche deines Lebens eher mit Freude, mit Zufriedenheit, mit Dankbarkeit gefüllt sind und nicht mehr mit Sorgen und anderen inneren Feinden, wie Missgunst, Habgier, Neid, Eifersucht, Hartherzigkeit und emotionaler Kälte. Mit der Zeit werden Zustände dieser Art kurzlebiger, flacher und damit auch weniger heftig.

Ich dachte ja lange Zeit, dass das sowieso mit dem Alter kommt. Das würde dem Älterwerden eine sehr schöne Komponente hinzufügen. Aber leider ist das nicht so. Wenn du dein Leben lang deine Psyche diesen Räubern überlassen hast, dann solltest du nicht überrascht sein, wenn sie es sich im Alter in deiner Psyche so richtig bequem gemacht haben. Wie sollte es auch anders sein? Dieses den Weg weiter gehen ist entscheidend. Wenn Zweifel auftauchen, weil es vielleicht schon so lange geht, weil dir deine Gedanken einreden wollen, immer wieder, dass sich ja nicht wirklich etwas getan hat auf deinem Weg, dann wende dich an jemanden, der dir aus dieser Misere helfen kann.

Leider haben so manche Missverständnisse leise Pfoten und schleichen sich fast unbemerkt ein. Da braucht es deine Aufmerksamkeit, dein Urteilsvermögen, das im Yoga immer wieder so betont wird. Nur die yogische Art des Studiums kann dieser schleichenden Verwirrung Einhalt gebieten. Daher ist es immer wieder gut, die Worte der Meister zu lesen, deines Meisters, deiner Meisterin zu lesen. Wenn du bemerkst, dass du keine Lust mehr darauf hast, weil du das schon zur Genüge kennst, dann lese erst recht, was dein Guru geschrieben hat. So schleifst du den Edelstein deines Weges, deines Verständnisses mit der Zeit zu vollkommener Schönheit, zu makelloser Perfektion.

Dann ist der Geschmack der Welt köstlich, weil du lernst, überall den Segen von Kundalini Shakti, deines Meisters zu entdecken. Deine Welt ist dann mühelos mit Dankbarkeit erfüllt. Und wenn es Schwierigkeiten gibt, denen du dich stellen musst, dann können sie in dir nicht mehr diese Verzweiflung auslösen, wie das vielleicht früher der Fall war. Vielmehr vertiefen sie die innere Verbindung mit deinem Meister, intensivieren dein Vertrauen auf die Weisheit und Unfehlbarkeit deiner inneren Kraft, Kundalini Shakti.

 

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Vom Yoga der äußeren Form zum inneren Yoga – die große Herausforderung

Es genügt nicht, die Übungen im Yoga zu machen, heilige Asche aufzulegen, sich zu scheren, darauf zu achten, immer reine yogische Begriffe zu verwenden. Du sitzt vor den Fotos deiner Meister, die du überall um dich herum hast, du singst die Gita, meditierst, liest die Texte. Aber kommst über das Bittstellertum nicht hinaus. Du tust doch alles, was gelehrt wird, aber beim „Die Welt ist so, wie du sie siehst“ (Yoga Vasishta), bei „Ich bin Shiva“, bei „Gott wohnt in dir als DU“, da würdest du schon gerne noch ein wenig diskutieren. Da kann man es sich, sagst du, schon auch sehr leicht machen.

Und bei alle dem bemerkst du, dass deine Emotionen immer noch Katz und Maus mit dir spielen, obwohl du das doch schon mal so gut gekonnt hast, das Beherrschen dieser Eruptionen. Deine negativen Gefühle hast du schon verbannt geglaubt, aber dann, dann brechen sie wieder hervor, ungezügelt, deine Wut, deine Ressentiments, deine abschätzigen Worte über andere. Jetzt wird es natürlich schwierig: So lange auf dem Weg und so neben den Schuhen sein (Gruß an meine Schweizer LeserInnen): Dein ganzes spirituelles Sortiment muss herhalten, um das zu erklären, zu berechtigen, diese Unzulänglichkeit, dieses Nicht-anwenden-können der Lehre.

Und dann ist da (wie kann man dafür je genug dankbar sein, als Yogi auf dem Weg!) die Kraft der Gnade, ihre glorreiche spielerische Sicherheit im Zerstören deiner Begrenztheiten. Ich weiß nicht, ob du schon von Durga gehört hast, die mit wahrer Eleganz und Leichtigkeit ganze Riesenheere von Dämonen ausgelöscht hat, mit einem sanften, fast verschmitzten Lächeln. Sie macht keine halben Sachen. Sie wird dein Ego immer wieder liebevoll in die Falle locken, in der es sich offenbart, ungewollt und doch gewollt. Sie wird nicht ruhen, bis dein Weg von außen nach innen gewandert ist … solange du irgendwie weiter mitmachst.

Den Weg in dich hineinzubringen, das ist nicht so einfach. Viele Menschen verlassen lieber ganz den Weg, klagen den Weg und seine LehrerInnen an, halten den Guru in heiliger Distanz und lassen ihre Wut an anderen aus. Sie klammern sich mit allem, was sie zu haben meinen, an das, was ihnen bedeutend und wichtig ist. Das ist nur zu verständlich.

Einmal beschimpfte mich ein Kursteilnehmer wütend, als ich versuchte, das Mantra OM namah Shivaya so zu schreiben, dass es in ungefähr richtig auszusprechen war: Ohm namma Schiwahja. Was mir eigentlich einfiele, schimpfte er, diese heilige Schreibweise (OM namah Shivaya) so zu verunglimpfen mit dieser Schreibweise.

Dabei wusste er offensichtlich nicht, dass diese Schreibweise in lateinischer Schrift der Versuch war, die Silben des Devanagari (ॐ नमः शिवाय) irgendwie in eine englische Aussprache zu bringen. Und auch nicht, dass schon Devanagari eine Erfindung eines indischen Königs war, noch dazu ein Buddhist, der diese Schrift ca. 200 a.D. entwickelt und eingeführt hatte. Brahmanen, die traditionellen Hüter des Sanskrit, aus dieser Sprache stammt das Mantra, sind vielfach der Meinung, dass Sanskrit gar nicht geschrieben werden sollte, sondern nur mündlich ausgesprochen werden kann.

Aber das Ego liebt es, sich in Äußerlichkeiten und Wichtigkeiten niederzulassen. Es liebt die formale Perfektion. Daher ist das mit dem Ego und dem Meister so eine verflixte Geschichte. Der Meister liebt doch auch die Formen. Er, denkt sich das Ego, hat sie uns doch überhaupt erst gelehrt. Wo man, wie man, warum man sitzt, wie man Ganesha verehrt, welches Sitzkissen am besten ist, warum man den rechten Fuß zuerst über die Schwelle eines heiligen Ortes setzt. „Davon“, sagte das Ego, „wussten wir doch vorher gar nichts.“

Und dann passt es doch wieder nicht. „Jetzt mach ich es endlich einmal richtig, und dann ist es schon wieder falsch. Ich kann es einfach nicht recht machen.“ Das Ego rollt die Augen und erklärt sich das Ganze schließlich so: „Wahrscheinlich soll ich das alles nicht so wichtig, so ernst nehmen.“ Das Ego ist erleichtert, endlich hat es eine Möglichkeit für sich entdeckt, mit dem Wichtigen und mit den Regeln und der Tatsache, dass sich gerade um den Meister herum immer wieder Leute nicht an die Regeln halten, umzugehen.

Nach Jahren dieser Praxis winkt das Ego einfach ab, wenn der Meister wieder mit etwas Neuem kommt. „Kennen wir doch alles, haben wir schon gehabt, ich warte mal, bis die Welle wieder vorbei ist.“ Es verkennt vollkommen, dass das ganze großartige Spiel, das der Meister aufzieht, nur bewirkt, dass der Besitzer des Egos endlich wieder die Zügel in die Hand nimmt. Was das Ende des Egos, „wie wir es kennen“, bedeutet.

Für das Ego geht es nämlich nicht darum, die äußeren Formen nicht so wichtig zu nehmen, sondern sich selbst nicht wichtig zu nehmen. Mit nur ein klein wenig Distanz betrachtet, ist das wirklich eine herrliche Komödie.

 

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Wenn nichts dabei rauskommt – die beste Ego-Therapie im Yoga

Mein Meister hatte eine wundervolle Art, uns zu lehren, immer wieder aufs Neue. Einmal erlebte ich einen Austausch zwischen einem Ashram-Besucher und ihm. Der Mann klagte darüber, dass er sich immer als so besonders fühle. Mein Meister lachte ermutigend und sagte: „Aber du bist doch besonders.“ Und nach einer kleinen Pause sagte er dann: „Und alle anderen sind es auch.“ Ich könnte noch viele weitere Episoden wie diese erzählen.

Ich selbst hatte als junger Mensch, schon als Kind, oft das Gefühl, zu etwas Besonderem berufen zu sein. Ich fühlte mich immer irgendwie anders als die Anderen. Es war schon erstaunlich. Ich kam aus einfachem Hause, wie fast alle Menschen. Ich konnte das Besondere nicht erkennen, und doch: Dieses Gefühl einer besonderen Berufung hielt sich wacker in mir. Auch als ich meinen Meister traf, und schon noch viele Jahre auf dem Weg war, hatte ich immer wieder Träume, Eingebungen und so manch andere Hinweise auf etwas ganz Besonderes.

Mit der Zeit aber dämmerte es mir, dass es auch sein könnte, dass nichts dergleichen wahr werden könnte. Mir war klar, dass nichts an meinem Leben so ungewöhnlich anders war, als das meiner Mitmenschen. Anfangs war dieses Gefühl des völlig Normalen gewöhnungsbedürftig, um es milde zu formulieren. Es stellte sich die Vermutung ein, dass mein Alltag und mein Leben doch eher überschaubar bescheiden und gewöhnlich sein könnten. Was erst ernüchternd wirkte, machte Platz für Erleichterung.

Es zeigte sich, dass ein starkes Streben verschwand. Es musste wirklich nichts Erwähnenswertes rauskommen, am Ende meines Lebens. Das Banale, das Schlichte kam mir eher als einleuchtendes Ergebnis meines Lebens vor. Und das fühlte sich mit den Jahren immer besser an. Inzwischen bin ich froh, dass dieses Gefühl, für nichts Besonderes auf der Welt zu sein, in mir Platz genommen hat. Es ist nur vernünftig, dass sich mein Leben verflüchtigen wird, wie der chinesische Weise Dschuang-Tse es nannte: Ein Namenloser unter Namenlosen sein: Wer will das schon? Aber das sein zu können, das ist es.“

Beachtung, Bedeutung, Wichtigkeit – das alles sind Hindernisse auf dem Weg der inneren Freiheit. Auf dem Yogaweg brauchen wir niemand zu sein, zu werden, es muss nichts Besonderes rauskommen aus unserem Leben. Wenn man das so langsam erkennt, dann kann man getrost drauflos leben. Dann merkst du, dass du wirklich nicht deinen Lebenssinn aus deiner Arbeit holen musst, aus deinen Beziehungen, aus deinen Reisen, aus deinem Wissen über die Welt, aus deinem Denken und aus der „Tiefe“ deiner Gefühle.

Gelassen kannst du dann erkennen, dass all diese Dinge, die dich täglich beschäftigen, nur dazu da sind, deinem Leben einen Rahmen, eine Form zu geben. Das ist keine  Einengung, sondern nur das Schachbrett, auf dem du spielst.

Das ganz Besondere muss nicht überleben im Leben eines Yogis. Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, was wohl unsere materielle und geistige Hinterlassenschaft für diese Welt sein wird. Wir können ein Leben führen, wie in einem Hotel. Wenn Abreisetag ist, einfach alles packen, Schlüssel abgeben – das wars.

Wer hauptsächlich aus seinem Ego lebt, für den/die mag das erbärmlich klingen: Keine Spuren hinterlassen zu wollen, nicht für etwas zu arbeiten, was überdauert, wie Mozart, dessen Musik man auch 200 Jahre nach seinem Tod noch mit Begeisterung hört. Es mag sich anhören, als wäre keine Lebensfreude in so einem Leben.

Aber weit gefehlt. Dann wird es erst lustig. Im Außen haben Menschen schon nur eine sehr geringe Wirkung. Aber für uns ist es möglich, ganz und gar zu erkennen, wer wir sind, uns aus der Mickrigkeit zu verabschieden und zu erkennen, was ist.

Wer weiß, dass er alles ist, dass alles, was ist, sein Werk ist, wie kann so jemand auch nur einen Augenblick Interesse an Bedeutung und Besonderheit haben?

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Über einen Kommentar zu Lebensfehler… (auch für Nicht-YogInis geeignet)

Jetzt möchte ich doch einen Beitrag schreiben, inspiriert von einem Kommentar zum Artikel „Lebensfehler“. Darin versuche ich, das Thema „Lebensfehler“ aus yogischer Sicht zu bearbeiten.

Dieser ganze Blog wendet sich an Yogaübende, an Yogainteressierte. Er will yogische Einstellung, yogische Methoden, yogisches Verständnis erläutern, untersuchen, anregen. Mir ist dabei vollkommen klar, dass die meisten Menschen mit den meisten Aussagen nicht übereinstimmen werden. Das ist o.k. Natürlich sind wir im öffentlichen Raum, und jeder kann die Texte dieses Blogs finden und sich so seine eigenen Gedanken dazu machen.

Ich verstehe sehr gut, dass jemand, der diese Beträge liest, aber Yoga nicht wirklich praktiziert, (also, Yogapraxis ist hier nicht das Üben von körperlichen Verrenkungen), vieles, was hier zu lesen ist, nicht wirklich verstehen oder gut heißen kann. Daher vielleicht noch einmal ein Text, der auch für Menschen, die Yoga nicht üben, verständlich sein kann.

Yoga ist ein geistiger Weg, der Menschen hilft, sich selbst jenseits von Denken und Fühlen, von Handeln und von Persönlichkeit zu erleben und zu begreifen. Yoga lehrt, dass es die Pflicht eines Menschen ist, herauszufinden, wer er (und das „er“ bezieht sich auf das grammatische Geschlecht von „Mensch“ und hat nichts mit Mann und Frau zu tun) wirklich ist.

Naja, dazu muss ich doch nicht Yoga üben. Wenn dieser Gedanke jetzt bei dir aufsteigt, dann lies bitte den vorherigen Abschnitt noch einmal oder gar mehrmals. „Normale“ Menschen verstehen sich NUR als psycho-soziale Entität. Im Yoga würde man diese Selbstsicht als Auslöser für sehr viel des Leids verstehen, das Menschen erfahren. Nur weil die meisten Menschen sich mit dieser Entität identifizieren, wird diese Identifikation nicht wahrer.

Zu theoretisch? Ja, das mag wohl sein. Aber mit der Praxis wird es auch praktischer.

Aber etwas Anderes ist vielleicht leichter zu begreifen. Solange du Opfer deiner eigenen Psyche bist, solange du den INHALTEN deiner Gedanken und Gefühlen hilflos ausgeliefert bist, hast du keine Chance, in diesem Leben dauerhaft glücklich zu sein. Und jetzt bitte nicht anfangen mit: Aber macht nicht erst das Erleben von Unglück Menschen glücklich? Ich habe noch niemanden getroffen, der mir sagte: Jetzt bin ich schon seit zwei Wochen glücklich, ich hoffe, dass mir sehr bald wieder etwas schreckliches passiert, damit ich auch wieder unglücklich sein kann und mich ausbalancieren kann. Nein, Menschen können ein ganzes Leben glücklich sein.

Dass es so wenige sind, liegt an etwas anderem. Wenn du lernen könntest (oh je, klingt vielleicht noch theoretischer), die Aktivitäten deiner Psyche, die Gedanken und Gefühle, nicht nur als Inhalte, sondern als Energie zu erleben, könntest du verstehen, dass du keineswegs jeden Gedanken und jedes Gefühl, das gerade in dir hochkommt, haben musst. Die Inhaltsebene von Gedanken und Gefühlen nimmt dich viel zu sehr gefangen, als dass du eine innere Distanz ihr gegenüber empfinden kannst.

Zwischen Gedankeninhalten und Gedankenenergie (gilt genauso für Gefühle) unterscheiden zu können, lernt man in der Meditation, die nur unnütze Gedanken (außer dem Mantra) kennt. Wer die Kunst der Meditation mehr und mehr erlernt, erfährt Gedanken und Gefühle viel mehr als energetischen Zustand als als Inhalte, die wir dann sofort als „gefällt mir“/“gefällt mir nicht“ einordnen.

Wer also verstehen möchte, was ich da schreibe, muss meditieren lernen. Und auch, wenn dir die Meditation beibringt, wie meditieren geht, gibt es doch viele Konzepte, die man kennen und verstehen sollte, wenn man Meditation üben will.

Wenn es dir möglich wird, Gedanken und Gefühle zu HABEN oder nicht zu haben, dann kannst du mit Fehlern, schlechten Erfahrungen und Unglück frei (freier) umgehen: Du kannst Gedanken und Gefühle, die in dir dazu gespeichert sind, immer wieder hochholen oder vergessen. Es liegt an dir, du hast dann diese Freiheit.

Ohne meditieren zu können, kannst du das nicht lernen. Es geht nicht.

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Transformation – das Geschenk des Yogawegs (Neujahr 2016/17)

Transformation — wirklich, das ist ein Wort mit sieben Siegeln für die meisten Menschen.  Im Duden wird das Wort beschrieben mit Verwandlung, Umwandlung. Was bedeutet Transformation im Yoga? Was wird da verwandelt?

Manche Schriften geben ihre Antwort auf diese Frage: jiva wird zu Shiva. Das Individuum wird zum universellen Wesen. Das begrenzte Ich wird zum universellen Ich-Bewusstsein. Also ich finde diese Erklärungen schon sehr abstrakt, auch wenn sie stimmen mögen. Und ich sehe Möglichkeiten, das allgemein verständlich zu erklären.

Wenn es tatsächlich möglich sein sollte, mit dem Yogaweg vollkommene Freiheit zu erlangen, dann ist Transformation unumgänglich. Alles, was uns einschränkt, alles war uns trennt, muss verschwinden oder verwandelt werden. Was schränkt uns ein? Die Welt? Die Zeit? Unsere Kultur? Unsere Herkunft? Unser Körper? Man kann diese Frageliste noch ziemlich lange weiterführen, wenn man alles aufzählen möchte, wovon sich Menschen eingeschränkt fühlen.

Wer hier im Blog liest, weiß oder ahnt schon, dass der Yogaweg nicht propagiert, dass dadurch deine Freiheit eingeschränkt wird. Das yogische Augenmerk liegt vielmehr auf inneren Prozessen, denn die sind viel eher beeinflussbar als äußere.  Wenn ich das Gefühl habe, dass ich schwach, unfähig und ohnmächtig bin, dann ist klar, dass diese Empfindungen nicht befreiend sind. Wenn ich das Gefühl habe, besser als andere, klüger, schöner, etc. zu sein, dann ist vielleicht nicht so ganz klar, dass auch diese Empfindungen selbst angelegte Fesseln sind, die Menschen, die sich schwach wähnen, ironischer Weise oft sehr intensiv anstreben.

Diese Empfindungen werden auf dem Yogaweg transformiert, wenn du ihn nur lange genug und mit genug Begeisterung gehst. Wie sieht das konkret aus, magst du dich fragen. Gefühle von Unzulänglichkeit werden transformiert in die aufkeimende Ahnung deiner Großartigkeit, die nicht aus dem Ego kommt, dass sich in dir über dich lustig macht oder dich dir mit Gefühlen von Überheblichkeit und Dünkel anbiedert. Dass das möglich ist, diese Ahnung deiner Herrlichkeit, das ist das Geschenk der Transformation.

Die tiefe innere Unruhe, geboren aus der intensiven Beurteilung deiner Taten und Eigenschaften, wird einer besonderen Art von Gleichmut weichen, der aus dem Studium der Yogatexte aufsteigt, aus der Meditation, aus der langjährigen Praxis der Mantrawiederholung. Dieser Gleichmut eröffnet dir den Zugriff auf deine Emotionen auf eine neue Art: Wenn du ihn einmal vollständig erfahren hast (und ich behaupte, dass du das dann auch weißt), dann wirst du nicht mehr lange Opfer dieser beurteilenden Tendenz deiner Psyche sein. Du wirst dich schnell wieder an diesen Gleichmut erinnern und deine eigenen Urteile nicht mehr ernst nehmen.

Tiefe, umfassende Missverständnisse werden von der Transformation erfasst und verwandelt: die Identifikation mit deinem Körper, deinem Ego, deinem Intellekt, deinen Sinnen. Hier wirkt die transformierende Kraft im Yoga ihre größten Wunder. Denn dieses Missverständnis, dass uns meinen lässt, wir sind unser Körper und unser Ego, wird langsam mit dem Lösungsmittel der Kundalini-Kraft, des Segens des Meisters aufgeweicht. Mit der Zeit der Praxis (Meditation, Studium der Texte/Schriften des Yoga) wird dir immer klarer und einleuchtender, dass du nicht sein kannst, was du hast. Du wirst erkennen, dass das Ego dir gehört (wenn überhaupt) und dass du es nicht sein kannst. Du wirst den Körper als Behausung verstehen, nicht nur theoretisch, als saloppe spirituelle Floskel.

Diese Kraft der Transformation im Yoga überwindet für immer das Gefühl der Einsamkeit, für immer die tiefen Selbstzweifel, weil sie deine Missverständnisse in Vertrauen verwandelt, das sich nicht auf die Hoffnung stützt, dass sicher alles gut ausgehen wird, sondern auf das Wissen, der tiefen Einsicht, wer du wirklich bist.

Das Geschenk dieser Transformation ist, dass du sie erleben und durchleben kannst, ohne dass du dein normales Leben aufgeben musst, auch wenn sich die eine oder andere Angewohnheit auflöst.

 

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Die Bedeutung und Auflösung der Elemente

In allen Kulturen haben Menschen von Elementen gesprochen, von grundlegenden Bausteinen es Daseins in dieser Welt.

Ich war noch ziemlich jung, als ich das erste Mal von den 5 Elementen im Yoga gehört habe. Als jemand, der in der westlich-wissenschaftlichen Tradition erzogen wurde, mutete die Vorstellung der fünf grobstofflichen Elemente schon sehr einfach und archaisch an. Wir lernten über 100 Elementen im Chemieunterricht, und jetzt sollten wir etwas über die fünf Elemente lernen. Und weil sie „grobstofflich“ hießen, war das Ganze noch etwas verwirrender.

Dann wurde aber klar, dass, obwohl wir von den fünf grobstofflichen Elementen, den maha bhutas sprachen, es sich doch um etwas ganz anderes handelte. Warum befassten wir uns damit? Wie passt da „Ich bin Shiva“ dazu? Sind Shiva die Elemente von Bedeutung? Ja, sind sie.

In vielen Yogaschriften, die darauf eingehen, wird davon gesprochen, wie ein Mensch auf dem Yogaweg die Schöpfungskaskade wieder zurückwandert, wie er oder sie jede Stufe der Schöpfung in sich sozusagen auflöst. Auch das war mir überhaupt nicht vorstellbar. Wie sollte das gehen? Bricht einem da nicht der Boden unter den Füßen weg? Heute kann ich sagen, nein, natürlich nicht. Es ist so, als würdest du dich immer weiter verfeinern, ohne die Tuchfühlung mit dem äußeren „normalen“ Leben zu verlieren. Anders ausgedrückt könnte man sagen, dass du dein Bewusstsein ERWEITERST (nicht nur verschiebst).

Die erste Ebene jenseits der chemisch-physikalischen Welt sind die fünf Elemente, die maha bhutas. Sie sind die Kräfte, die diese Welt steuern. Zumindest könnte man das so verstehen. Mit dem Auge sieht man Erde, eine Stoffansammlung aus Lebewesen, Mineralien, verrotteter Materie und vieles mehr. Aber Erde als Element ist das Feste, ist Geruch, ist Dichte, ist Schwere, ist Stabilität. Dieses Element wirkt in deinem Körper, aber auch in deiner Psyche. Ständig. Manchmal mehr, manchmal weniger. Wie überwindet man das Element Erde, wie „löst man es in sich auf“? Das hat viele, viele Aspekte, die für Menschen auf dem Yogaweg der Befreiung bedenkenswert sind:

Jemand, der, wie die meisten Menschen, die sich spirituell nicht entwickeln können (bei uns ist das auch ein Informationsproblem, man weiß ja gar nichts davon), vom Element Erde gefangen gehalten wird, ist allem mehr oder weniger verfallen, was damit zu tun hat: Wohlstand und Armut und alles, was damit zu tun hat: Wohnraum, Möbel, physischer Besitz, etc., Körperlichkeit (übermäßige Beschäftigung mit dem Äußeren, mit Gesundheit, mit Fitness, etc.), Haptik, also, wie etwas sich anfühlt, traumloser Schlaf, Trägheit, starke Heimatverbundenheit (man achte auf das Wort!). Was sonst hält uns fest, wenn das Element Erde nicht „erlöst“ in uns wirkt?

In der Meditation ist es auch das starke Festhalten an den physischen Begebenheiten: Nur wenn du immer an der selben Stelle sitzt, fühlst du dich wohl. Nur wenn dein Asana oder Decke richtig liegt und sitzt und riecht, kannst du meditieren, du verstehst, was ich meine. Überhaupt ist das wichtig, alles muss „richtig“ riechen, sich anfühlen.

Das Element Wasser, das nächst feinere Element, kennen wir alle gut: Natürlich ist es Wasser, H2O, das im der chinesischen Tradition „das freundliche Element“ genannt wird. Es ist instabil, in fließender Bewegung. Es ist das Element, aus dem unser Körper hauptsächlich besteht. Wasser als Element ist das Bindende. Mörtelpulver macht erst einmal gar nichts. Mit Wasser verbunden wird es eine formbare Masse, die Verbindungen und Bindungen schaffen kann, die lange halten. Wasser ist anhaftend, verbindend. Logischerweise wird diesem Element der Geschmacksinn zugeordnet, denn Geschmack wird von Flüssigkeit transportiert. Menschen, die vom Element Wasser gefangen sind, können nur schwer loslassen, sie sind Substanzen, Umständen, Menschen nicht nur verbunden, sondern von ihnen gefangen. Auf dem Yogaweg, wenn das Element Wasser sich in einem selbst „auflöst“, kann man sich binden, aber auch wieder loslassen. Die Fähigkeit, sich zu verbinden ist ganz anders als ein Verbundensein. Darüber könnte man gut nachdenken.

Das Element Feuer kennen kommt als nächst feineres Element. Es ist das Ergebnis unter anderem von Reibung. Feuer ist Licht, ist die Kraft der Transformation, der Verdauung, auf allen Ebenen, von Essen bis zu Gedanken, Gefühlen, Konzepten. Feuer wird als heiß, scharf, trocken, leicht und fein dargestellt. Feuer durchdringt. Ihm ist der Sehsinn zugeordnet. Wut, Zorn, Hass sind ihm zugeordnet, aber auch die Kraft, etwas zu verdauen, auch im übertragenen Sinn, etwas zu verarbeiten und zu transformieren. Menschen, die dieses Element noch nicht in sich „lösen“ konnten, sind voll vom Sehen überwältigt, von Licht, aber auch von Intellektualität, vom abstrakten Denken, von Theorien. Wenn dieses Element transformiert hat, dessen Intelligenz kann in Einfachheit leuchten, die ständige Unruhe der Augen ist nicht mehr zwangsläufig, er oder sie kann sie jeder Zeit abstellen. Die Furcht vor dem Dunklen verschwindet. Es gibt noch viele Eigenschaften mehr, die vom Feuerelement betroffen sind.

Luft ist das nächst feinere Element. Bewegung und Dynamik, Berührung und Unstetigkeit sind einige seiner Eigenschaften. Sie ist das Trocknende, das Leichte: Das Element Luft löst das Element Feuer aus. Es hält den Körper ständig in Bewegung. Wer ihm unterworfen ist, muss sich bewegen. Wenn dieses Element nicht assimiliert ist, treibt es deine innere Unruhe voran, immer mehr, immer intensiver. Man kommt, wie es so schön heißt, vom Hundertsten zum Tausendsten. Es hört nie auf, man ist total von Berührung abhängig, um sich lebendig zu fühlen. Wenn du dieses Element in dir auflöst, merkst du, dass diese prinzipielle innere Unruhe nachlässt, dein innerer Sturm kommt zur Ruhe, wenn du das willst. Was für eine Erleichterung macht sich in dir breit!

Das Feinste aller Elemente ist der Raum, auch das wird als Element gesehen, das Prinzip des Raumes. Ohne es gibt es keine Schöpfung. Manche Yogaschriften bezeichnen den Raum als das Erste aus der kosmischen Psyche entsteht. Im Raum findet Schöpfung statt. Für die meisten Menschen ist Raum so elementar, dass sie keine Erfahrung der Gefangenschaft im Raum haben. Es ist auch schwer vorstellbar, wie das wohl ist, wenn dieses Gefangensein aufhört. Es steht in den fünf Elementen für das Prinzip der Einschränkung, für Klang, für Hören. Klang, der jeden direkt betrifft. Wie will man Raum integrieren, in sich auflösen. Was heißt „frei von Raum“?

Darüber gälte es nachzudenken, zu forschen. Die fünf maha bhutas, die großen Elemente, sind wie die Eingangstüren in inneren Welten.

In der Natur, der Kraft der maha bhutas, ist ihr Studium etwas einfacher, in der Stille , in der Balance.

Zu Ostern werden wir das heuer untersuchen.

 

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